Flüchtlingshilfe in Burkina Faso

Als 2012 die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Tuareg-Rebellen und dem malischen Militär erneut ausbrachen, flohen 300.000 Menschen nach Burkina Faso. LandsAid war mit drei Teams vor Ort und hat die Geflüchteten und die lokale Bevölkerung versorgt. Michael Prestele hatte die Zeit mit Illagala Ag Amin zu sprechen, der von seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg in Mali erzählt. Das Gespräch gibt er hier wieder.
Das Vertriebenenlager Mentao liegt im Norden von Burkina Faso, in der Nähe des kleinen Ortes Djibo, inmitten der trockenen, flachen und vegetationsarmen Landschaft der Sahelzone. Auf einer Strecke von 10km leben hier gut 10.000 Menschen in Zelten und provisorischen Behausungen. Illagala Ag Amin, ein Targi (Singular von Tuareg) aus dem malischen Douentza, kennt diesen Ort sehr gut. Er hat bereits in den frühen 90ern hier gelebt. Damals hatte ihn der erste Tuareg-Aufstand in Mali dazu veranlasst, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. 1994 konnte er dank der von damaligen Präsidenten verfolgten nationalen Versöhnungsstrategie in seine Heimat zurückkehren. Er wurde als Adjutant in die malische Armee integriert.

Mitte April ist er nun ein zweites Mal geflüchtet. Der Staat hatte über 3 Monate keinen Sold mehr bezahlt. Das Geld ging ihm aus. Gleichzeitig kamen die Verwaltungsstrukturen zum Erliegen, die Lage wurde zunehmend unkontrollierter. Die malischen Soldaten aus dem Süden machten keinen Unterschied mehr zwischen Tuareg-Rebellen und lokaler Tuareg-Bevölkerung. Der Grenzübertritt war problemlos. Auf der malischen Seite existiert keine Kontrolle mehr, und die Burkinabé nehmen ihre Nachbarn Gott sei Dank freundlich auf, obwohl sie selber nicht mit Wohlstand gesegnet sind.

Doch wie soll es jetzt weitergehen? Er hat für seine Frau und die zwei Mädchen eine provisorische Hütte gebaut. Das Baumaterial hat er für ca. 20 € in Djibo erstanden. Er wurde registriert, aber hat bisher keine Nahrungsmittel erhalten. Im Lager hilft man sich gegenseitig – und so hat er immerhin 5kg Reise für den Moment. 5kg Reis – kein Salz, kein Öl, keine Milch, auch nichts, woraus man eine Sauce machen könnte – nur 5kg Reis. Viele hier im Lager kommen mit der Ernährung nicht klar. Gestern haben einige von ihnen Bohnen bekommen. Tuareg essen keine Bohnen. Sie haben die Bohnen in den umliegenden Dörfern eingetauscht.

Wie Illagala Ag Amin waren viele der hier versammelten Tuareg in Mali in das Staatswesen integriert – als Polizisten, Soldaten, Beamte. Der Tuareg-Aufstand hat sie über Nacht von gut situierten Bürgern zu Flüchtlingen gemacht. Sie sitzen hier auf dieser trockenen Erde, und warten darauf, dass sie vielleicht doch irgendwann zurückgehen können. „Das geht aber erst, wenn wir auf Dauer dort sicher sind. Nur dann lohnt es sich, wieder ganz von vorne anzufangen“ sagt Illagala Ag Amin. „Die europäischen Staaten sind hier gefragt. Sie müssen politischen Druck ausüben.“ Über das Handy bleiben sie hier im Lager in Kontakt mit den Daheimgebliebenen.

Illagala Ag Amin hatte vor 20 Jahren einen Autounfall. Seither ist er mehrfach operiert worden. Er hat oft Schmerzen und kann nur noch mit Hilfe eines Katheters urinieren. Man könnte ihn operieren, aber das ist wohl in seiner jetzigen Situation keine realistische Hoffnung. „Meine Verletzung macht mir zu schaffen“ sagt er. „Aber schlimmer ist meine zweite Krankheit – die Armut, in der ich hier mit meiner Familie auf eine ungewisse Zukunft warten muss.“
„Meine Verletzung macht mir zu schaffen. Aber schlimmer ist meine zweite Krankheit – die Armut!“Illagala Ag Amin - 2012 erneut aus Mali geflohen.
Das dritte Team hatte neben der Verteilung von Hilfsgütern, vor Allem die medizinische Versorgung als ihre Aufgabe erkannt. Deswegen haben sie auch mit lokalen Fachkräften zusammen gearbeitet. Der Rettungssanitäter Stefan von Rotenhan war knapp einen Monat für LandsAid im Einsatz. In diesem Tagebuch berichtet er von seinen Erlebnissen.
Nachdem wir, Karin und ich, am Mittwoch unsere Gaby und den Erwin schweren Herzens nach Hause fliegen lassen haben, wagten wir uns am Donnerstag an die Verteilung der Moskitonetze.
Die ganze Sache ist zum Glück doch recht schnell und dank einiger Einheimischer auch problemlos abgelaufen. Dabei wurde mal wieder deutlich wie hoch die Zahl der Analphabeten unter den Frauen ist, obwohl es nur um eine Unterschrift ging.

Am Abend haben wir an einem Treffen der UNHCR teilgenommen, wobei es weniger um wichtige Informationen für die weitere Projektplanung ging, sondern mehr um den High Comissionar for Refugees, welcher in den letzten Tagen die Flüchtlingslager im Norden besucht hat.

Ebenfalls am Donnerstag hat sich ganz unverhofft ein burkinischer Arzt bei uns gemeldet, mit dem wir nach einem kurzen Gespräch auch gleich einen Vertrag abschließen konnten. Er macht einen sehr kompetenten und sympathischen Eindruck.

Dieser Eindruck hat sich heute, an unserem ersten gemeinsamen Arbeitstag, auch bestätigt. Neben kleinen und großen Wunden an Kinderextremitäten, war über Malaria bis zur Mandelentzündung auch heute wieder alles dabei.

Wir sind gespannt wie sich die Arbeit im Camp entwickeln wird und freuen uns auf den Teamzuwachs am Sonntag =)

Seit Nettis Ankunft ist es meine neue Aufgabe dem Doktor zu assistieren und die verschriebenen Medikamente leserlich aufzuschreiben. Dabei bekommt man auch einen besseren Einblick in die Krankheitsbilder. Beispielsweise erlernte ich die Ursache von Zahnschmerzen und verfaulten Zähnen zu erkennen und erfuhr einfach mehr über die nicht ganz einfachen Lebensumstände. Neben Kopfschmerzen häufen sich die Malariafälle bei Kindern, auch Durchfall nimmt stetig zu.

Zusammen mit dem neuen Arzt haben wir unseren Medikamentenbestand überarbeitet und sind sehr froh, die Freiheit zu haben, uns vor Ort neu auszurichten und so unsere Medikamente anzupassen. Beispielsweise sind viele Kinder noch zu klein um Tabletten schlucken zu können, für solche Fälle haben wir jetzt Säfte. Manchmal ist das Fieber auch so hoch, dass eine Infusion mit entsprechenden Medikamenten intravenös erforderlich ist, auch hierauf sind wir jetzt vorbereitet.

Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt.

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