Der Pakistanische Moment

Besonders die abgelegenen Regionen Pakistans stolpern seit knapp 10 Jahren von Katastrophe zu Katastrophe. Überschwemmungen, politische Unruhen oder Terroranschläge stellen die Bevölkerung immer wieder vor neue Herausforderungen. LandsAid hat mit Schulungen lokale Kräfte auf die nächste Katastrophe vorbereitet. Carola Gerhardinger und Ruth Esten-Montacher waren Teil des Ausbildungsteams und berichten hier von ihren Erlebnissen.
Aus Stuttgart, Nürnberg, Hurlach und München angereist hat sich unser 5 köpfiges Team schon einen Tag vor dem Abflug im Büro in Kaufering für einen weiteren arbeitsamen Tag getroffen.
In den vergangenen Wochen war jeder von uns gut damit beschäftigt die anstehenden Schulungen (und die damit verbundenen Präsentationen/ Handouts/Übungen und Tests) für die Ärzte und Multiplikatoren vorzubereiten. An diesem Tag fanden wir die Gelegenheit unsere gesammelten Werke miteinander abzugleichen und durchzusprechen.

Nach einem ganzen Tag eifriger Vorbereitung werden am Abend in Windeseile die noch fehlenden (bzw. Spontan benötigten) Materialen besorgt.
Dann wird es auch schon langsam Zeit ins Bett zu kommen da am nächsten Tag der Flug nach Islamabad ansteht.

Gut gelaunt und schwer bepackt trifft sich unsere Truppe am Flughafen um den Flug nach Islamabad, via Doha, anzutreten.
14 Stunden später haben wir in der Früh um 3 Islamabad erreicht.
Dort wurden wir von unserem Koordinator Dirk und Mujtaba Imran, dem Präsident von Pakistan Relief, abgeholt und in unser Hotel gebracht.
Nach einem kurzen Briefing bei dem es auch Obst und Getränke für uns gab, sind wir kurz nach 4:30 erschöpft ins Bett gefallen.
Nach einer kurzen ‘Nacht’ und einem späten Frühstück sah unser ursprüngliche Plan vor, nur noch einmal kurz die Unterlagen durchzugehen.
Aus diesem „kurz“ wurde dann plötzlich doch ein „lang“ und auf einmal war es kurz vor 19 Uhr und Mujtaba wollte uns zu einem Begrüßungsessen abholen. Da die Pakistanische Gastfreundschaft ein “nein” nie akzeptiert hätte, und wir mittlerweile auch am Ende unserer schöpferischen Kräfte waren, haben wir die Arbeit für den heutigen Tag beendet.
Auch der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Vorbereitung.
So viel ist noch zu organisieren, schreiben, kopieren, ausdrucken, laminieren, einheften. Sim Card fürs Handy müssen besorgt werden (irgendwie müssen wir im Notfall kommunizieren können). Präsentationen wollen umgearbeitet werden, da durch den Datentransfer einiges durcheinander gekommen ist und natürlich muss noch ein bisschen mehr organisiert werden…

Auch muss noch eine weitere Schulung ausgearbeitet werden, da sich die ursprünglichen Pläne für die Apotheke aufgrund der gegebenen Situation geändert haben. Das es damit nicht getan ist und natürlich noch einiges mehr zu organisieren ist, ist ja klar!

Uns allen rauchen auf jeden Fall die Köpfe!

Carola Gerhardinger – 2013 Teil des Schulungs-Teams in Pakistan

Nachdem es schneller ging, die Räume selber umzubauen, als auf die Unterstützung der Hotelmitarbeiter zu warten, haben wir uns dieser Aufgabe noch kurz vor Mitternacht gewidmet. Und das obwohl wir schon einen langen Tag hinter uns hatten.
Eine Stunde später kommen dann auch noch die soeben fertig gewordenen Plakate. Das der Deutsche Laptop und der Pakistanische Beamer nicht miteinander kompatibel sind, ist auch noch ein nicht gelöstes Problem, aber wir haben ja auch noch ein paar Stunden Zeit bis morgen früh…
Endlich ist es soweit!
Ein schnelles Frühstück nach einer kurzen Nacht und schon sind wir wieder im Vortragsraum, um die letzten (hoffentlich diesmal endgültig letzten) Vorbereitungen zu treffen.
Kurz darauf tritt etwas ein, das wir nur als den „Pakistanischen Moment” bezeichnen: Irgendwie (und ich weiß wirklich nicht wie) klappt alles doch noch in der letzten Sekunde. Das Hotel organisiert von irgendwoher einen Beamer, alles ist an seinem Platz und fertig (zumindest für heute) und die Teilnehmer trudeln langsam ein.

Die Spannung ist auf beiden Seiten spürbar.
Nach der Begrüßung und Einführung von Mujtaba – und anschließend auch noch von Birgit – startet diese auch gleich damit, die Erwartungen der Teilnehmer zu klären.
Denn obwohl wir gut vorbereitet sind, möchten wir ja nun auch von den Teilnehmern wissen, ob ihre und unsere Erwartungen übereinstimmen. Mit am häufigsten genannt wurde hierbei der Wunsch der Teilnehmer zu erlernen, wie man Wissen vermitteln kann. Wunderbar, genau das ist auch schon der Inhalt unserer nächsten Stunde, die Nina kurz darauf startet.

Da Nina einfach ein unglaubliches Lehrertalent ist, hängen ihr die Teilnehmer an den Lippen. Die Methoden, wie Wissen in Pakistan und Deutschland vermittelt werden, unterscheiden sich doch sehr und die Teilnehmer fragen interessiert nach und schnell entsteht ein Dialog. Die Zeit vergeht in Windeseile und schon ist es auch Zeit für das Mittagessen. Das haben sich alle nun wirklich verdient.

Nach dieser Pause geht es mit mir und dem Thema Hygiene weiter.
Was keiner der Teilnehmer jedoch weiß, ist dass wir während der Pause den Raum präpariert haben. Mit einer speziellen durchsichtigen UV Lösung haben wir die Lichtschalter, einen Stift und mehrere Wasserflaschen mit “Keimen infiziert”. Nachdem wir in der Stunde gemeinsam die Infektionskette und wie man diese durchbrechen kann erarbeitet haben, wird es Zeit dies nun zu verdeutlichen.

Davor klären wir alle noch darüber auf, was gleich passieren wird. Als Dirk dann das Licht ausmacht, und ich mit der Schwarzlichtlampe die Hände der Teilnehmer ableuchte, und bis auf zwei alle Farbe an den Händen haben, ist die Überraschung groß.
Auch ich bin von oben bis unten mit Farbe voll. Rebekka, die vorhin mit mir zusammen demonstriert hat, wie man sich korrekt die Hände wäscht (hier war die Seife mit UV Farbe präpariert) kann nun leuchten – im wahrsten Sinne des Wortes.
Dass die Botschaft der Einheit “Keime sind unsichtbar aber trotzdem da und potentiell gefährlich – Hände waschen rettet Leben” bei den Teilnehmern angekommen ist, haben wir spätestens daran gemerkt, dass vor der nächsten Tee-Pause alle auf die Toilette gegangen sind, um sich die Hände zu waschen.

Im Anschluss halte ich noch eine Einheit über Wasser, auch in Bezug auf die von LandsAid geplante Hilfsgüterverteilung (die Wasserkanister beinhaltet). Mujtaba unterstützt mich hierbei tatkräftig, da er ja in den letzten Wochen für die Hilfsgüter zuständig war.
Um 17 Uhr endet die Veranstaltung und alle sind voll mit neuen Eindrücken und vielen Informationen.
Wir setzen uns danach noch zusammen um die zu Beginn abgeklärten Erwartungen noch einmal durchzugehen. Da wir sie wirklich – soweit dies in unsere Macht steht – erfüllen möchten, erweitern wir das Programm für den morgigen Tag. Die beiden Einheiten Team Building und Management im Feld kommen noch dazu. Diese können die Multiplikatoren später auf jeden Fall in ihrem Einsatz im Feld nutzen.

Nun geht für uns die Arbeit auf den Zimmern erst richtig los.
Nun müssen weitere Handouts gedruckt werden, Übungen und Material vorbereitet werden usw. usw. usw. …
Mittlerweile ist es kurz vor 3 Uhr morgens und wir fallen todmüde in die Betten. In ein paar Stunden geht es schließlich weiter…

Grüße vom ganzen Team aus Islamabad

Während die anderen am gestrigen Tag schon mit dem ersten Training begonnen haben, mache ich mich mit Dirk auf den Weg ins Büro von Pakistan Relief. Es gibt noch Einiges zu klären bevor ich mich an die Vorbereitung des morgigen Tages machen kann. Mansoor, der als Apotheker für Pakistan Relief schon 2010 im Einsatz war, unterstützt mich beim Besorgen des Materials für unseren praktischen Teil. Wir besprechen auch die aktuelle Lagerung der Medikamente und die Auswahl für den kommenden Einsatz. Eigentlich wollte ich dann so schnell wie möglich zurück ins Hotel und an den Computer.
Aber ich hatte das „LunchAid“ vergessen. Am gemeinsamen Essen, das vom Pakistan Relief Koch vorbereitet, führte kein Weg vorbei. Und es war wirklich köstlich. Aktuell ist Daal mein Favorit, eine Beilage aus Linsen.
Meine Nervosität steigt direkt nach dem Aufwachen. Wird die Technik rechtzeitig zur Verfügung stehen? Welche Erfahrungen werden die Apotheker mitbringen, die an dem Training teilnehmen? Als mir als Erste eine junge, weibliche Kollegin vorgestellt wird, lässt die Aufregung nach.
Mit etwas Verzögerung bis alle Teilnehmer eingetroffen sind, können wir starten. Rebekka informiert mit eindrücklichen Fotos über die verschiedenen Stationen in der mobilen Klinik und springt dann sofort rüber zum Multiplikatoren-Training, wo der nächste Vortrag auf sie wartet.

Wir erleben einen interessanten Tag, an dem wir uns auch immer wieder über das unterschiedliche pharmazeutische Arbeiten in unseren Ländern austauschen. Das Eis ist gebrochen. Und schon beim gemeinsamen Mittagessen schwenken die Themen zu Kleidung und Musik in der Frauenrunde. Gemeinsames Essen gehört wie das Beten fest in den pakistanischen Tagesablauf.

Als wunderbaren Höhepunkt des Tages bringt uns Mujtaba zum Abendgebet ganz unerwartet in die größte Moschee Pakistans – die Faisal-Mosq. Nachdem uns die aufgeschlossene und temperamentvolle Teilnehmerin Esha das korrekte Tragen unserer Tücher gezeigt hat (das Tuch über den Kopf und die Enden über die Schultern geworfen) nähern wir uns bewundernd dem modernen Bauwerk.
Als wir uns der Moschee nähern, lesen wir vor uns STOP in großem Schriftzug auf dem Boden. Und jetzt? Fragend wenden wir uns an unsere pakistanischen Freunde. Hinter dieser Linie ist das Tragen von Schuhen nicht mehr erlaubt. Ein schönes Gefühl mit nackten Füssen über die noch warmen, großen Bodenplatten zu laufen.
Im milchigen Abendlicht erheben sich links die Margalla-Hügel (Vorläufer des Himalaya-Gebirges) und rechts die wunderschöne Moschee. Ein bezaubernder Moment. Wir dürfen die Moschee betreten und nehmen drinnen auf dem Frauenbalkon andächtig an dem für uns ungewohnten Ritual der Betstunde teil. Die Gesänge ähneln erstaunlich vertraut den uns bekannten Gesängen von Mönchen.

Unser Ausflug führt uns weiter in das Saidpur Village im Nordwesten der Stadt. Nach der Gründung Islamabads in den 60er Jahren in Vergessenheit geraten, ist es heute touristischer Anlaufpunkt. Mit zahlreichen Restaurants in den alten Gebäuden, zwischen denen ein Bergbach rauscht lockt es die Menschen an. Nach dem Abendessen in alt-pakistanischem Ambiente geht es zurück an die Computer. Noch fehlen alle Charts für morgen.

Der letzte Tag der ersten Trainingswoche beginnt entspannt. Wir haben den größten Teil an Arbeit und Ungewissheiten hinter uns gelassen. Ich bereite statt Frühstück noch das Colloquium für „meine Pharmazeuten“ vor. Aber alles ist gut. Auch die Berge an Kartons (Medikamente und Equipment), die noch in unserem Zimmer lagern, werden pünktlich bis 9 Uhr ihren Weg in unseren Meeting Raum finden. Oder eben etwas später.

Ich freue mich schon sehr auf unseren praktischen Teil – den Aufbau einer Apotheke in der mobilen Klinik. Und es wird richtig klasse. Großes Gelächter als die Nagelbürsten ausgepackt werden. Sowas hatten meine Kollegen hier noch nie gesehen. Auch die 1-Liter-Seifen-Behälter wurden neugierig untersucht, da die deutsche Beschriftung keinen Aufschluss über den Inhalt gab.

Die Rezepte mit versteckten Fehlern zu interpretieren, war auch für die schon mit der mobilen Klinik vertrauten Apotheker eine kompliziertere Aufgabe, die aber nach einigen Diskussionen gut gemeistert wurde.

Die Mittagspause ist heute länger, denn wir planen Juma – das Freitagsgebet, mit ein. Während die Männer zu einer nahen Moschee gehen (heute am Freitag tragen sie alle traditionelle Kleidung), laden mich die weiblichen Teilnehmerinnen ein an ihrem Gebet in einem kleinen Raum im Hotel teilzunehmen.

Beim Colloquium waren zum Schluss alle nochmal hochmotiviert bei der Sache. Das schönste Feedback für mich war, dass sich die Neulinge jetzt alle fit für den künftigen Einsatz in einer Mobilen Klinik fühlen.

Ein Teil unseres Teams nutzte den Abend nach Abschluss des Trainings um Vorräte auffüllen. Nervennahrung in Form von Gummibärchen gehörten auch mit auf die Liste. Nach einer letzten Teamrunde zur Besprechung des Ablaufs fallen wir alle ins Bett. Den Muezzin um 4.30 Uhr hören wir heute Nacht nicht.

Als wunderbaren Höhepunkt des Tages bringt uns Mujtaba zum Abendgebet ganz unerwartet in die größte Moschee Pakistans – die Faisal-Mosq.Ruth Esten-Montacher - 2013 Teil des Schulungs-Teams in Pakistan
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Ich will helfen

Ich kann es kaum glauben. Der Wecker zeigt halb elf. Nachdem die letzten Nächte arbeitsintensiv und kurz waren, konnten wir heute alle ein bisschen Schlaf nachholen.

Der gemeinsame Tag beginnt wieder mit dem Check der Handys und Funkgeräte. Ich sehe viele kleine Augen in der Runde, doch die Stimmung ist prima.
Wir amüsieren uns köstlich, denn es gib neue, lustige Wortkapriolen für unsere „Best of Pakistan Talk“-Liste und auch ein paar Filmszenen vom gestrigen Abend sorgen für großes Gelächter. Begleitet werden wir seit kurzem auch immer von unserem Maskottchen Baby Dodo.

Nach einem europäischen Frühstück mit Saft und Obst in unserem Wohnzimmer/Büro/Meeting Point/Besprechungsraum (Birgits Zimmer) ging es weiter nach dem Motto „nach dem Training ist vor dem Training“. Die Feinplanung und Vorbereitung des Trainings für die kommende Woche stand auf dem Programm.

Und wieder stehen wir vor der Frage, ob alle Teilnehmer erscheinen werden und auf welchem Erfahrungslevel können wir aufbauen. Wie packen wir möglichst viel praktische Erfahrung in unser Programm.

Dann ist es Zeit mal wieder Ordnung in unsere Zimmer zu bringen, die sich in kleine Lager verwandelt haben. Dass wir mal wieder nicht ins Internet kommen, gehört hier zum Alltag dazu. Inschallah. Dieser Ausdruck ist inzwischen fester Bestandteil unserer Planungen. Aber immer wird alles gut, wie wir in unserer ersten Woche hier in Pakistan schon erfahren durften.

Nach einem Nachmittag gefüllt mit der Vorbereitung neuer Charts freuen wir uns auf ein weiteres Treffen mit unseren pakistanischen Projektpartnern am Abend.

Grüße vom ganzen Team aus Islamabad

Spontan und flexibel reagieren und trotzdem so perfekt wie möglich vorbereitet sein – eine echte Herausforderung.

Die Gegebenheiten und Anforderungen kombiniert mit unserem eigenen Anspruch haben mal wieder (auch über das „freie“ Wochenende) für schlaflose Nächte gesorgt.
Spontan haben wir das Programm für das „Medizinische/Humanitäre Hilfsmaßnahmen im Katastrophenfall“ Training komplett überarbeitet. Nachdem wir es für sinnvoller hielten, unseren ursprünglichen Plan zu ändern und wir alle mit erstaunlich wenig Schlaf auskommen, ging es am Montag mit unserem nun dritten Training weiter.

Nach der Vorstellungs- und Begrüßungsrunde startete Rebekka gleich mit der Unterrichtseinheit „Mobile Klinik“. Vom Aufbau, über die Triage, die Behandlung, Apotheke (diesen Part hat Ruth – als unsere Expertin hierfür – übernommen) bis zur Behandlung und Entlassung bzw. Weiterverlegung, waren die Teilnehmer bis zum Mittagessen schon gut gefordert.
Am Nachmittag wurden weitere wichtige Themen wie Teamwork, Rollenverteilung, Kommunikation innerhalb des Teams erarbeitet und besprochen. Und eh wir uns versehen konnten war es auch schon 17 Uhr und der erste Tag dieses Trainings um, zumindest der offizielle Teil.

An dieser Stell möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Nina, die krankheitsbedingt leider schon Montagnacht die Rückreise angetreten hat, bedanken. Nicht nur für die erste gemeinsame Woche sondern ganz besonders auch dafür, dass du bis so kurz vor deinem Abflug mitgearbeitet und uns noch mit guten Tipps für die kommende Woche ausgestattet hast. Wie sehr uns diese geholfen haben, kann ich hier so gar nicht in Worte fassen.

Vielen Dank von unserem ganzen Team hierfür!

Am Vormittag beginnt der Tag für die Teilnehmer noch in gewohnter Weise.
Es gibt eine Unterrichtseinheit von Mujtaba zum Thema „Radiocommunication“, direkt gefolgt von Dirk mit dem Thema Sicherheit.
Wie weitreichend dieser Begriff ist, wird den Teilnehmern bald klar. Geht es hierbei nicht nur um die Lage der Mobilen Klink, der Crowed Control oder dem korrekten Anlegen von Rettungswesten, sondern auch um Themen wie persönliche Reiseapotheke, Evakuierungen und vieles mehr.

Danach wird es spannend für alle Beteiligten. Wir verlassen das gewohnte Setting und gehen von nun an für die nächsten 2,5 Tage in ein Planspiel/ Szenario.
Nachdem die Teilnehmer eine „E-Mail“ von einem fiktiven Katastrophenfall erhalten haben, werden verschiedene Gruppen gebildet. Die erste Gruppe bestehend aus zwei Ärzten, zwei Krankenschwestern, ein Apotheker und einem Koordinator. Dieses Team wird in das fiktive Land „Atlantis“ geschickt, das kurz zuvor von einem Tsunami zerstört wurde und nun auf medizinische Hilfe wartet.
Die Teilnehmer dieses Teams sind auch die tatsächlichen Mitarbeiter von Pakistan Relief, die in den kommenden Wochen in Nowshera Mobile Kliniken betreiben werden.
Eine tolle Möglichkeit erste gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.

Bis 16 Uhr halten wir die Teilnehmer mit den verschiedensten Anforderungen (die das Arbeiten in einer mobilen Klinik ebenso mit sich bringen) auf Trab. Beginnend mit dem Schreiben der Packliste, der Standortauswahl bis über den Aufbau der Klink und natürlich der Versorgung der Patienten.
Zwischendurch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Von dazwischenfunkenden Reportern über einen Verkehrsunfall mit Rückenmarksverletzung, bis hin zur Evakuierung der Klinik ist alles dabei, womit in der Arbeit einer mobilen Klinik gerechnet werden muss.

Um 16 Uhr beenden wir die Simulation für heute, um für eine kurze Reflexionsrunde zurück in das gewohnte Setting zu gehen. Da so eine Lernmethode in Pakistan völlig unbekannt ist, waren wir im Vorfeld natürlich alle gespannt auf die Reaktionen der Teilnehmer. Schon während des Szenarios haben wir gemerkt, dass wir so falsch nicht gelegen haben mit unserer Idee. Schließlich haben alle tatkräftig und begeistert mitgearbeitet. In der Reflexionsrunde werden noch offen Fragen angesprochen und weitere Wünsche abgeklärt.
Da wir weiterhin alle so gut wie möglich erfüllen möchten, wird auch heute eine zusätzliche Nachtschicht eingelegt. Gegen 2:30 ist aber auch dieser Tag zu Ende und wir fallen in die Betten.

Bevor wir zurück nach Atlantis gehen, gibt es noch schnell eine Theoretische Einheit zum Thema „post traumatic stress disorder“ da gestern klar wurde, dass viele der Patienten einer mobilen Klinik nach Naturkatastrophen o.ä. darunter leiden. Rebekka kann die theoretische Einheit von mir durch eine Geschichte aus dem Libanon veranschaulichen und damit TLC (Tender, Love & Care) als festen Bestandteil der „ärztlichen Verschreibung“ hier etablieren.

Während für uns nur wenige Stunden vergangen sind, sind in unserer Klinik in Atlantis schon mehrere Wochen vergangen und es wird Zeit für einen Teamwechsel. Natürlich mit allem was dazu gehört. Ein komplettes Hand Over der Klinik und schon ist das neue Team verantwortlich. Auch dieses sieht sich vielen Herausforderungen gegenübergestellt. So führt beispielsweise der Besuch eines Politikers von Atlantis zu Protesten der lokalen Bevölkerung, und unsere kleine mobile Klinik ist auf einmal nicht mehr neutral.

Heute ist nicht nur unser letzter Schulungstag, sondern auch unser vorletzter Tag in Pakistan.

Wie wir gestern spätabends erfahren haben, begleitet uns heute ein Kamerateam. Nun gut, wir sind mittlerweile schon Meister in unerwarteten Herausforderungen und mit allem einverstanden, solange wir unser geplantes Programm mit den Teilnehmern zusammen gut beenden können. Nachdem Birgit uns versprochen hat dies zu klären, besteht für uns kein Grund zur Beunruhigung mehr.

Wie nach jedem Einsatz mit LandsAid, steht nun auch für unsere Teilnehmer ein Debriefing an. In diesem können sie über Ihre Erfahrungen während ihres Einsatzes in Atlantis berichten. Auch müssen sie verschiedene, häufig angetroffene Krankheitsbilder den anderen Teilnehmern vorstellen (Arbeitsmaterialien erhalten sie hierfür natürlich von uns).
Pünktlich zum Mittagessen schaffen wir es mit unserem Programm fertig zu werden. Nach der Pause wollten ursprünglich nur noch die Teilnahmeurkunden überreichen.
Jaja, eigentlich und ursprünglich…..

Anstatt der Pause (oder gab es doch eine kurze? Ich weiß es einfach nicht mehr) gaben die Teilnehmer wieder alles, um das gelernte der letzten Tage nun für die Kamera noch einmal vorzuführen. Aber auch für uns ist das ein besonderer Moment zu erleben, wie gut alles klappt und wie sehr sie sich unsere Ratschläge zu Herzen genommen haben.

Die geplante Zeugnisübergabe zieht sich auch noch ein bisschen nach hinten raus, da ein Regierungsmitarbeiter dafür kommen soll, der jedoch noch in einer Besprechung ist.
Nun gut, etwas später kommt er dann doch und redet viel und wir alle lächeln freundlich dazu. Alles ist auf jeden Fall sehr feierlich. Trotzdem sind wir froh, als wir kurz vor 18 Uhr endlich in unsere Zimmer kommen. Schließlich müssen wir ja noch packen, da morgen früh um fünf die Wecker klingeln und wir zum Flughafen müssen.

Es liegen zwei wahnsinnig anstrengende aber auch tolle und lehrreiche Wochen hinter uns.
Ich möchte mich hier ganz herzlich bei allen, die dieses Training ermöglicht haben, bedanken:
– Das Team von Pakistan Relief, die nicht nur eine Nacht (fast) durchgearbeitet haben, um alles doch noch pünktlich fertig zu bekommen
– Dem LandsAid Team in der Geschäftsstelle in Kaufering, die auch am Wochenende ins Büro rein gefahren sind, um uns Unterlagen zu mailen und im Hintergrund noch vieles mehr organisiert haben
– Dirk (dem Koordinator vor Ort), der im Vorfeld schon so einiges für uns organisiert hat (wie viel Arbeit damit in Pakistan verbunden ist, haben wir erst vor Ort wirklich verstanden)
– und unserem gesamten Trainerteam (jederzeit wieder gerne)

Nicht zuletzt möchte ich mich auch bei den Teilnehmer bedanken ohne deren toller Mitarbeit die ganze Schulung so nicht möglich gewesen wäre.

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