Harte Arbeit – wie schwer es ist Menschen auf der Straße zu überzeugen

Es ist der letzte Freitag im November. In Hannover ist es kalt, der Winter ist eingebrochen. Der Bahnhof ist belebt und viele Menschen wollen schnell von A nach B. Inmitten dieses Trubels bauen 3 ehrenamtliche Helfer einen Stand auf. Sie wollen die Menschen für die Hilfe von LandsAid begeistern und um zukünftige Unterstützer werben. Voller Enthusiasmus planten sie den Stand, besorgten die Mittel und bauten trotz Kälte auf. Doch es folgte bald Ernüchterung.

Ein Straßenstand gehört zu den anstrengendsten und nervenaufreibendsten Möglichkeiten, um Menschen auf sich und seinen Verein aufmerksam zu machen. Jeder der schon einmal um die Zeit und Gunst eines Passanten kämpfen musste, kann das bestätigen. Die Menschen haben es immer eilig. IMMER! Egal ob sie einkaufen gehen, ein Eis essen oder auf jemanden warten. Es ist ein Reflex. “Sorry, keine Zeit!” Man kann es den Menschen nicht übel nehmen. An jeder Ecke steht ein anderer Stand und wirbt um Geld. Einige passiv, andere aggressiv aktiv. Man wird eingelullt, an den Stand gezogen, schnell per Du angesprochen und vereinnahmt. Ehe man sich versieht ist er unterschrieben, der Mitgliedsvertrag mit einem monatlichen Beitrag zwischen 20 und 50 Euro. Das Personal der Stände ist hoch professionalisiert. Dort stehen in den seltensten Fällen tatsächlich Mitglieder der Vereine. Oft sind es Angestellte einer Agentur, die für diese Arbeit bezahlt werden. Auf Nachfrage wird das auch bestätigt. Sie müssen viele Verträge in kurzer Zeit schließen, denn ihr Gehalt hängt davon ab.

Darunter leiden die ehrenamtlichen Helfer. Die Menschen vermuten so bei jedem Stand ähnliche Maschen und Vorgehensweisen. Nur über die eigene Arbeit zu berichten und “Awareness” zu schaffen wird schon zu einem Akt der Unmöglichkeit.

Am letzten Wochenende lernten Gaby Breuckmann, Vorstandsmitglied bei LandsAid sowie Marina Röthlinger und Stanislav Kutsenko, beide ehrenamtliche Unterstützer des Vereins, die harte Arbeit kennen. Sie wollten die Menschen lediglich für LandsAid begeistern. Keine Mitgliedsanträge wurden zur Unterschrift aufgeschwatzt, keine aggressiven Sprüche genutzt. Sie wollten nur ins Gespräch kommen. Bei den wenigsten hat das geklappt. Jedoch wenn ein Gespräch zustande kam – und dauerte es auch nur einige Sekunden – waren die Menschen positiv überrascht. Sie spürten tatsächliches Engagement, hörten Geschichten aus realen Einsätzen und konnten zur tatsächlichen Hilfe Fragen stellen. Es ging nicht um eine Unterschrift und das hat die Menschen überrascht.

Unsere Ehrenamtlichen standen 2 Tage in Hannover und kämpften um jeden Passanten. Wir sind sehr sehr stolz auf sie und vor allem dankbar. Die Erfahrungen nehmen sie mit und sie sehen, wie schwer es ist, für eine gute Sache einzustehen. Das Misstrauen der Menschen ist riesig – auch aus guten Gründen. Diese “Akquisemaschinerie” der Vereine muss ein Ende finden. Natürlich kann man so neue Mitglieder für eine gewisse Zeit an sich binden, aber langfristig wird dadurch die Spendebereitschaft geschwächt.

Auf der Straße sollten die Mitglieder und Verantwortlichen der Vereine selbst stehen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Dann wird es authentisch. Dann werden die Menschen wieder aufgeschlossener.

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