Was passiert wann mit meiner Spende? – ein Beispiel von heute (Jemen)

Im Bild oben zu sehen sind Ritaj (11 Monate) und ihr Vater. Die Aufnahme ist keine 2 Wochen alt. Sie wiegt nur noch 3,5 kg und beide mussten ihre Heimat Ammran verlassen und sind nach Sanaa (die Hauptstadt Jemens) geflohen. Sie suchen Hilfe im AlSabeen – Krankenhaus. Auch hier fehlt es an Geld, um Lebensmittel und Medikamente zu kaufen. Deswegen helfen wir…

Im Jemen sind 22 von 27 Millionen Einwohner auf Hilfslieferungen angewiesen. Der Krieg ist in seinem dritten Jahr und das Land ist isoliert. Die Menschen sterben reihenweise an Hunger und Cholera (eine üble Durchfallerkrankung). Menschen wie Ritaj und ihrem Vater zu helfen, ist für uns schwierig. Wir dürfen in das Land nicht einreisen und Hilfslieferungen werden nur bedingt ins Land gelassen. Zudem fallen auch in Sanaa und in den umliegenden Gebieten noch regelmäßig Bomben.

In solchen Gebieten sind wir auf verlässliche Partner angewiesen, um Hilfe zu leisten. In Sanaa arbeiten wir deshalb mit der HND (Human Needs Development) zusammen. Es ist eine junge Organisation, die sich mit Anfang des Krieges gründete. Sie setzt sich aus ehrenamtlichen Studenten zusammen, die mittlerweile in ganz Jemen helfen. Ihr Ziel ist es die Menschen am Leben zu erhalten – ob mit Nahrung, Medikamenten, Hygieneartikeln oder Wasser. Wir haben mit HND bereits viele Projekte gemeinsam durchgeführt und dabei hunderten Familien Essen, Wasser und Hygieneartikel besorgt. Auch haben wir vor zwei Monaten in einer Schule mit 4.000 Kindern Toiletten und Wasserstationen wieder aufgebaut. Diese wurden von saudischen Bomben zerstört.

Jetzt startet eine neue Nahrungslieferung im Jemen, die wir als Beispiel nehmen wollen, um euch den Ablauf zu verdeutlichen:

Im April haben wir mit HND besprochen, wo und wie sie weitere Nahrung besorgen und für welche Menschen sie diese bereitstellen können. Sie sprachen mit den lokalen Regierungen in den betroffenen Gebieten Saada, Ammran – wo Ritaj herkommt – und in der Hauptstadt Sanaa. So erfuhren sie, welche Familien am dringendsten Hilfe benötigen.

Anschließend besprachen wir gemeinsam, wie viele Familien wir mit unseren Mitteln versorgen und wie lang sie davon leben können. Wir versuchen so vielen wie möglich zu helfen, also kaufen wir vor allem Kohlenhydrate (Weizen, Zucker, Reis, Speiseöl und Linsen). Diese Lebensmittel sind günstig und auch im Jemen noch zu bekommen. Mit über 30.000 Euro, die wir für das neue Projekt zur Verfügung haben, können wir 600 Familien helfen. Jede Familie erhält 50 kg Weizen, 10 kg Zucker, 10 kg Reis, 4 Liter Speiseöl und 3 kg Linsen, womit sie mindestens einen weiteren Monat überleben können.

HND erstellte ein genaues Konzept, wie die Lebensmittel gekauft und verteilt werden. Sie wollen demnach 2 Tage vor der Lieferung zu jeder Familie fahren und ihnen eine Empfangskarte geben. Auch teilen sie ihnen Ort und Zeitpunkt der Auslieferung mit. Ritaj und ihr Vater werden auch unter den ausgesuchten Familien sein. Nach 2 Tagen treffen sich alle Familien einer Region, um das Essen entgegen zu nehmen. Sie unterzeichnen den Empfang der Lebensmittel und hinterlassen zudem einen Fingerabdruck auf dem Empfangszettel.

Heute (05.07.18) haben wir, nach Prüfung aller Angaben und des Konzeptes, das Geld angewiesen. HND wird dies in den nächsten Tagen in Sanaa erhalten und davon die Lebensmittel einkaufen.

HND sendet uns anschließend alle Quittungen und Ausgabedokumente zur Kontrolle. Unsere Projektleiter rechnen die Belege entsprechend durch und klären eventuelle Ungereimtheiten. Alle Ausgaben müssen auf den Cent genau dokumentiert sein, damit die Spenden auch nachweislich transparent eingesetzt wurden. Dies ist nicht nur für die Spender wichtig, sondern auch für die Prüfung des DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen). Dieses kontrolliert nicht nur die Ausgaben der Spenden, sondern auch die Arbeit des Vereins. Nur bei bestandener Prüfung erhalten wir das Siegel, mit dem wir unseren Spendern gegenüber nachweisen können, das die Gelder wirklich ordnungsgemäß eingesetzt wurden. Auch rechnet das DZI nach, wieviel der Gelder für die Verwaltung und die Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden. Im letzten Prüfungsjahr waren das 11 %, der Rest floß in die Projekte.

Während Ritaj und ihr Vater das Essen erhalten haben werden, besprechen wir das Projekt noch lange nach: Was lief gut? Wo gab es Probleme? Waren die Familien richtig ausgewählt? Hat unser Partner mit anderen Hilfsorganisationen oder Spendern schon die Folgemonate gesichert? Was können wir tun, um weiter zu helfen? HND sendet uns zudem Bilder und Videos von jedem Schritt des Projektes zu (Kauf der Lebensmittel, Transport und Lagerung, Besuch der Familien, Auslieferung und Verteilung). Diese nutzen wir für euch, um die genaue Verwendung eurer Spenden zu dokumentieren und um damit neue Spender für weitere Projekte zu gewinnen. Unsere Hilfe richtet sich immer danach, was uns zur Verfügung steht. Natürlich wollen wir den 600 Familien nach unserer Lieferung auch weiter helfen. Leider ist die schwierig, da zu wenig über dem Jemen in den Nachrichten berichtet wird. Entsprechend gering ist die öffentliche Unterstützung.

Falls ihr Interesse habt mal direkt mit unserem Partner im Jemen zu reden, können wir das organisieren. Schreibt uns einfach eine kurze Nachricht an: sven.weber@landsaid.org oder ruft bei uns durch: 08191 / 4287 832 Auch bei Fragen zur Mittelverwendung, Ein- und Ausgaben oder auch unserer Gehälter – wir werden euch ehrlich antworten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.