Kenias neue Wüsten

Als 2011 eine der längsten Dürren Kenia in seinen Würgegriff nahm, wurden die Menschen in den ländlichen Regionen am schlimmsten getroffen. Die kaum vorhandene Medizinische Versorgung reichte absolut nicht mehr aus. Die Krankheiten, die direkte Folgen des Wassermangels sind, brachen aus und blieben unbehandelt. Die neuen Wüsten – Regionen, die eine solche Knappheit nicht gewohnt waren – standen vor schier unlösbaren Herausforderungen. Tina Giffels (heute Werringler) war mit dem ersten medizinischen Team von LandsAid vor Ort. In diesem Tagebuch berichtet sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.
Ihr Lieben,

wir sind endlich angekommen! Nachdem wir 1,5 Tage in Nairobi verbracht haben, wo uns Rebekka und unser Koordinator Peter herzlich empfangen haben, sind wir nun an unserem eigentlichen Standpunkt in Garissa. Im Gepäck jede Menge Medikamente – danke an Apotheker helfen e.V. aus München – unsere persönlichen Dinge, dazu Moskitozelte und Isomatten. Wir waren wirklich beeindruckt, welche Packkünste an den Tag gelegt wurden, um all das samt unsereins zu verstauen. Aber alles hat gut geklappt.

Leider ist Rebekka nun schon wieder auf dem Heimweg. Danke für die vielen Infos, die gute Übergabe und die unendlich viele, investierte Vorbereitungszeit! Nur so konnten wir tatsächlich gleich heute – nach unserer Ankunft in einem einfachen Guesthouse, in dem wir sicher und gut versorgt sind – sofort beginnen.

Die LandsAid Partnerorganisation IAS wartete bereits mit einem Auto auf uns und kaum hatten wir unsere Sachen ausgepackt, waren die schweren Medikamentenkisten bereits auf dem Dach des Jeeps. Wir fuhren ca. 30 Minuten, um im Gebiet Anole in einer neu errichteten Gesundheitsstation zu arbeiten. Es handelt sich dabei um ein kleines Haus mit 3 Zimmern, die als Sprechzimmer rudimentär eingerichtet sind. Die Station soll in der kommenden Zeit mit einer Gesundheitsschwester besetzt werden. Derzeit steht das Gebäude jedoch leer und bietet unseren Patienten die Möglichkeit, endlich medizinische Hilfe zu bekommen. Diese ist im ganzen Nordosten Kenias sehr dürftig.

Anole bedeutet “viel Milch”, da es eigentlich ein fruchtbares Gebiet ist, in dem es viele Ziegen und Kuhhirten gab. Die Dürre und der schon so lange ausbleibende Regen haben dieses Stück Land aber zu einer Art Wüste gemacht. Immer mehr Menschen fliehen in andere Gebiete. Bereits kurz vor Garissa konnte man einen deutlichen Wandel der Natur bemerken. Auch in der Stadt liegen überall am Straßenrand verendete Tiere. Weiter östlich und nördlich muss es noch weit schlimmer sein.

Wir sind froh endlich hier zu sein. Nach ersten Einschätzungen ist die Hoffnung auf Hilfe in diesem Gebiet groß und wir sind überzeugt, dass wir hier viel helfen können. Morgen werden wir nochmals in dieser Gesundheitsstation arbeiten. Doch auch andere Dörfer und Regionen werden wir uns ansehen, um die Menschen hier zu versorgen.

Es geht uns trotz viel Arbeit und Anstrengung bestens und wir grüßen euch alle ganz herzlich.
Danke euch auch für die Unterstützung!

Heute war unser erster und durchaus anstrengender (aber erfüllter) Arbeitstag in der kleinen Gesundheitsstation in Anole. Bereits bei unserer Ankunft warteten unter den Schirmakazien etwa 50 unserer Patienten. Und es wurden stündlich mehr.
Überwiegend stellen sich hier Menschen vor, die unter Hauterkrankungen, Durchfall und Fieber leiden. Die Hitze und Dürre macht allen zu schaffen und der Fastenmonat Ramadan tut sein Übriges. Unglaublich viele Frauen mit ihren zahlreichen Kindern waren da. Wir werten das als positives Zeichen und Vertrauen in unsere Arbeit. Um unseren Patienten kulturell so nahe wie möglich zu sein, arbeiten wir hier – im streng muslimischen Gebiet mit vielen Somali – in Kopftuch und langem Rock. Was das Arbeiten zwar ungemein warm und anstrengend macht, das ist es uns aber durchaus wert.

So haben wir heute ein Kind mit Amöbenruhr behandelt, eine Infusionstherapie bei einem extrem geschwächten jungen Mann durchgeführt und viele Kinder mit Hauterkrankungen wie z.B. Ringwurm oder Scabies erlebt. Dinge, die in unserer Welt völlig problemlos behandelbar sind. Hier jedoch ist medizinische Hilfe rar. Unsere Patienten sind trotz der harten Lebensbedingungen immer recht sauber und anmutig. Wir bewundern das sehr.

Abends haben wir alle Hände voll zu tun, um unsere Apothekenkisten auf Vordermann zu bringen. Neues für den kommenden Tag muss geplant werden, um die Zeit hier so gut wie möglich zu nutzen.

Seid alle ganz lieb gegrüßt aus Garissas Hitze!

Ihr Lieben daheim,

nachdem wir nun in Anole für einige Tage die Patienten versorgt haben, sind wir gemeinsam mit unserem Partner IAS zu einem weiteren Dorf hinausgefahren. Wir wollten mit unserer Mobilen Klinik die dort wartenden Menschen erreichen, aber auch ein genaueres Bild des Gebiets bekommen, in dem wir hier arbeiten.

Diese Katastrophe hier ist anders als letztes Mal das Beben in Haiti, es scheint uns eine sehr leise Katastrohe zu sein. Sie erstreckt sich über ein so riesiges Gebiet, dass wir nur ahnen können, wie viele Menschen hier unversorgt sind. Soweit unser Auge reicht sehen wir staubige Erde, vertrocknete Bäume und Büsche, jedoch kein bisschen Grün. Es scheint nirgendwo ein Ende zu nehmen und alle, die wir fragen, versichern uns, bis vor 2 Jahren gab es hier grüne Bäume, Regen, Leben. Wir können uns das kaum vorstellen.

Seit über einem Jahr hat es hier keinen Tropfen mehr geregnet. Das Leben hier ist hart und wir können das auch an den Gesichtern unserer Patienten erkennen. Beinahe alle Patientinnen, die sich in unserer Sprechstunde vorstellen, haben ein oder zwei Kinder verloren. Die meisten starben an Durchfallerkrankungen und Unterernährung, abgesehen von Totgeburten, die sich oftmals aufgrund der weiblichen Genitalverstümmelung ereignen, die hier noch immer vollzogen wird. Diese Patientengeschichten gehen uns oftmals sehr zu Herzen.

Was unsere Arbeit hier etwas verkompliziert, ist die Kommunikationsstruktur, die wir hier unbedingt einhalten müssen. Was bedeutet, dass vor unserer Ankunft im Dorf erst einmal der Chief und die Ältesten darüber Bescheid wissen müssen. Wenn sie uns willkommen heißen, können wir anfangen zu arbeiten. Zunächst erschien mir das etwas sonderbar und wir müssen alle an unserem doch deutschen durchgetakteten Temperament arbeiten. Aber wir finden langsam in diesen anderen Rhythmus hinein.

So haben wir also heute in Konoromatha, etwa 40 Minuten von Garissa entfernt, die Menschen des Dorfes medizinisch versorgt. Trotz anfänglichem Chaos und der Sorge unserer Patienten, nicht jeder würde versorgt werden, sind alle behandelt worden, keiner, der uns brauchte, ging leer aus.
Nach diesem anstrengenden Tag in der Mobilen Klinik haben wir nun auch noch jede Menge Organisatorisches erledigt, was natürlich auch immer mit zu einem Einsatz dazu gehört. Unser Arbeitstag endet oft erst am späten Abend. Und da Peter heute früh nach Nairobi aufgebrochen ist, um diverse Meetings bei UN und anderen wahrzunehmen, haben wir alle Hände voll zu tun …

Liebe Grüße von uns allen!


Wir sind froh endlich hier zu sein. Nach ersten Einschätzungen ist die Hoffnung auf Hilfe groß!Tina Giffels (heute Werringloer) - 2011 für LandsAid in Kenia
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