Kinderkrankenhaus mit neuer Notaufnahme

Kaum war die Zusage für die finanziellen Mittel da, haben die Arbeiter die ersten Wände eingerissen. Nun ist die neue Notaufnahme schon fertig und die ersten jungen Patienten wurden unter deutlich besseren Bedingungen aufgenommen. Die Notaufnahme ist deutlich größer und besser strukturiert. Mehr Kinder als früher werden nun gleichzeitig behandelt.

James (Name geändert) ist 6 Jahre und beim Fußballspielen in eine Glasscherbe getreten. Er lebt in Port-au-Prince und seine Mutter ist mit ihm in das St. Damien Kinderhospital gegangen – das einzige in der ganzen Umgebung. Er kennt das Krankenhaus schon, wundert sich daher über den neuen Eingang, der direkt zur Notaufnahme führt. Vorher musste er mit seiner Mutter immer durch die Klinik laufen, um die Aufnahme zu finden. Entsprechend überrascht geht er durch die Tür und wird gleich vom Aufnahme-Personal empfangen. James zeigt seinen Fuß und wird in den neuen Wartebereich gebeten. Andere Fälle haben Vorrang. Durch die Notaufnahme kommen nun Schwerstverletzte direkt in die Behandlungsräume. Erstmals gibt es überhaupt ein separates Zimmer für Wiederbelebungen und eine schnelle Erstversorgung. Vorher bekamen die anderen Patienten von den Schicksalen sterbender und schwer Kranker mehr mit, als ihnen lieb war.

Was bei uns in Deutschland selbstverständlich ist, muss in vielen Ländern der Welt mühsam erarbeitet werden – eine gute medizinische Versorgung. In Haiti begleiten wir das Kinderkrankenhaus bereits seit unserem Einsatz 2010, als wir die Opfer des schweren Erdbebens mithilfe unserer Einsatzteams versorgten. Mehrfach im Jahr sind wir vor Ort, um die Ärzte und Pfleger zu unterstützen. Nun konnten wir endlich die Notaufnahme umbauen und damit die Erstversorgung deutlich verbessern.

James ist nun dran. Er musste eine Weile warten, aber jetzt kümmert sich einer der Ärzte der Notaufnahme um sein Fuß. Die Wunde wird gereinigt und schnell genäht. Schmerzen hat James kaum und nach dem Verband lächelt er auch schon wieder. Der Fuß wird problemlos verheilen. Seine Mutter zahlt für die Behandlung einen geringen Betrag und beide verlassen die Notaufnahme wieder. Wäre James Mutter zu arm für die Behandlung gewesen, hätte sie auch nichts zahlen müssen.

Viele Kinder sterben in Haiti an einfachen, unbehandelten Verletzungen. Wäre der Fuß von James unbehandelt geblieben, hätte er sich entzünden können. Irgendwann hätte er faul gerochen und die Entzündung hätte sich ausgebreitet. Nur eine Amputation hätte ihn dann noch retten können. Da es in Haiti keine gesetzliche Krankenversicherung wie in Deutschland gibt, gehen die Eltern mit ihren Kindern nur zum Arzt, wenn es nicht mehr anders geht. Deswegen kommen mehrheitlich auch nur die schwersten Fälle in die Notaufnahme. Leider haben viele Familien überhaupt kein Geld und können sich nicht einmal den Transport zum Krankenhaus leisten. Für diese Menschen kann auch das St. Damien Hospital oft nichts tun.

Die Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer aus dem Ausland ermöglichen es dem Krankenhaus mit minimalen Beiträgen – im Notfall auch unentgeltlich – Behandlungen anzubieten. Die Ausstattung ist einfach, aber zweckmäßig. Die neue Notaufnahme war ein wichtiger Schritt für das St. Damien und wir werden auch weiterhin dafür sorgen, dass Kinder wie James behandelt werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.