Schulalltag im Kriegsgebiet – ein Tag in Miriams Leben

Schulalltag im Kriegsgebiet

Miriam ist 12 Jahre alt und lebt in Sanaa, der Hauptstadt vom Jemen. Früher war es dort schön, sie hat mit ihrer Familie in einem Haus gewohnt und mit ihren Geschwistern oft im Garten gespielt. Nach der Schule hat sie mit Freunden die Stadt erkundet. Es gab dort wunderschöne Häuser und die Menschen auf der Straße haben gelächelt und manchmal mitgespielt. Heute ist das alles anders.

Seit 3 Jahren ist im Jemen Krieg und das Leben hat sich seitdem verändert. Das Haus der Familie gibt es nicht mehr und die Stadt ist zerstört. Die Menschen lächeln kaum noch, denn sie haben Angst. Miriam hat noch keine Ahnung, warum die Menschen sich bekriegen und warum noch immer die Bomben fallen. Sie sieht nur, wie Freunde und Bekannte sterben und die Eltern wütend und aufgebracht über die Regierung, andere Länder und Menschen in der Stadt diskutieren.

Seit 2015 befindet sich das Land in einem Krieg. Die Huthis beanspruchten mehr Macht im Jemen. Sie sind eine schiitische Gruppierung, die sich gegen die jemenitische Regierung unter Abed Rabbo Mansur Hadi auflehnte. Seit 2015 erkämpften sie sich die ehemalige Hauptstadt Sanaa und 9 von 21 Provinzen des Landes. Unter der Führung Saudi-Arabiens bildete sich 2015 eine Allianz, die nun gegen die Huthis Krieg führte. Sie stationierte Truppen in Aden und führt seitdem von dort aus vor allem Luftangriffe auf Huthi-Stellungen. Besonders intensiv wird hierbei auch immer noch Sanaa bombardiert. Tausende Zivilisten starben bereits durch die Bomben.

Miriam geht in eine Schule mit über 3.000 Kindern. Ihr Bruder muss zuhause bleiben, weil er Durchfall hat. Ihre Mutter sagt, dass er sich mit einer Krankheit angesteckt hat, weil es dort kaum Möglichkeiten gibt, sich zu waschen. Auf dem Weg zur Schule steigt sie über herumliegende Trümmer von Häusern, die dort einmal standen. Dazwischen leben Menschen in selbstgebauten Hütten oder provisorischen Lager. Die Schule ist der einzige Ort, wo sich Miriam wohlfühlt. Die Lehrerinnen sind freundlich und ein paar Freunde gehen auch noch regelmäßig hin.

Früher gab es an der Schule Toiletten und Waschräume, aber die sind durch Bomben zerstört worden. Stattdessen muss man sich einen anderen Ort suchen, zu dem man gehen kann. Nach der Pause gibt es Mittagessen. Sie hat Glück etwas zu Essen zu haben. Viele Familien können sich kaum noch Lebensmittel leisten.

Seit dem Krieg sind die Preise immer schneller angestiegen. Die meisten Menschen im Jemen sterben mittlerweile an Hunger. Kinder und Alte sind dadurch schnell geschwächt und wiederrum anfällig für die Ansteckung mit Cholera. Diese Durchfallerkrankung führt ohne Behandlung schnell zum Tod. 40 % der Opfer sind Kinder.

Nach dem Mittagessen erwartet Miriam eine Überraschung: Auf dem Hof vor der Schule stehen Bauarbeiter und reden mit ihrer Lehrerin. Später in der Schulstunde erfahren schließlich alle Kinder von neuen Toiletten, die gebaut werden sollen. Auch Waschbecken zum Händewaschen und Wassertanks, wo man sich Trinkwasser in Flaschen abfüllen kann, werden wiederaufgebaut. Und es soll schon morgen losgehen!
Die nächsten drei Wochen sind aufregend. Ständig hört man die Bauarbeiter und auf dem Hof stapeln sich Materialien. Dann ist es endlich so weit: Die Toiletten sind fertig. Es ist ein schönes Gefühl, endlich wieder auf eine richtige Toilette zu gehen. Und vor dem Essen kann sich Miriam nun auch wieder ihre Hände waschen, um nicht selbst Durchfall zu bekommen.

In der Al-Habab Schule in Sanaa lässt LandsAid derzeit neue Toilettenanlagen bauen, sorgt für eine Wasserversorgung zum Händewaschen, installiert Müllcontainer und eine Wasserabfüllstation. Ziel ist es, die Verbreitung von Krankheiten wie Cholera zu verhindern.

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