Quer durch Uganda – Das Tagebuch von Kathrin Müller

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es sind nur noch sechs Tage bis zum Abflug. Nach Jahren bereise ich endlich wieder den afrikanischen Kontinent. Gespannt bin ich auf die Projekte, die ich bislang nur vom Papier kenne. Ich freue mich darauf, die Menschen, mit denen ich bislang per Email Kontakt hatte, kennen zu lernen.
Es ist 18:30 Uhr: Endlich steige ich in Kaufering in den Zug ein. Die letzten Tage waren sehr aufregend und aufreibend, da die Reiseablaufplanung noch kurzfristig verändert wurde. Die Gesprächs- und Internetverbindungen mit Kontaktpersonen in Uganda gestalteten sich wegen der Unwetter – und den damit verbundenen Stromausfällen – schwierig.

Der Flug war gut, die Verbindung in Dubai klappte hervorragend und nach einer kurzen Zwischenlandung in Addis Abeba flog ich endlich weiter nach Entebbe. Vom Flieger aus sehe ich jetzt das Land. Es ist viel grüner als erwartet, aber ich sehe auch viel Wasser. Die Seen sind gefüllt, von den Überflutungen kann ich aber auf dieser Flugroute nichts sehen.

14:45 Uhr: Ankunft in Entebbe und die erste Überraschung: Statt der erwarteten 30 USD kostet das Visum nun 50 USD. Auf meine Anfrage, ob ich denn auch in Euro zahlen könne, erwidert die Beamtin, dass das dann 50 EUR wären. Der aktuelle Wechselkurs spielt demzufolge keine Rolle. Zum Glück habe ich USD eingepackt.

Mein Fahrer Bob, von Bekannten empfohlen, wartet schon auf mich. Wie schön, abgeholt zu werden und zu wissen, dass man einen guten Fahrer hat. Er entspricht meinem Wunsch gerne, einen Zwischenstopp am Lake Viktoria einzulegen. Die Straße wird für einen Besuch der
Queen Elisabeth im Oktober vorbereitet, d.h. es ist bis Kampala eine Baustelle und nur einspurig befahrbar.

Danach geht die Fahrt weiter zum empfohlenen Kolping Guest House, das ich reserviert hatte. Sehr schöne Räumlichkeiten. Nach nur 20 min. Ruhezeit im Zimmer werde ich schon abgeholt von Dr. Sekaya Yahaya, Pro.Metra. Auf der Fahrt zu seinem Büro durchqueren wir die ärmlichen Bereiche von Kampala. Nach starken Regenfällen verwandelt sich die nicht befestigte Straße in ein Schlammgebiet, die Leute werden krank und können ihrer Arbeit nicht nachgehen.

Das Bürogebäude von Pro.Metra ist geräumig und verfügt über mehrere Zimmer. Dr. Sekaya erklärt uns ausführlich die Entstehungsgeschichte von Pro.Metra Uganda. Sie gehören demnach zu Pro.Metra international, die in 22 Ländern der Erde sitzen. Pro.Metra hat das Ziel, traditionelle Heiler aus- und fortzubilden, sowie Heilungsmöglichkeiten der westlichen Medizin zu integrieren. Hierbei dienen dörfliche traditionelle Heiler neben den von Pro.Metra engagierten Lehrern als Multiplikatoren. Momentan ist ein Traditioneller Heiler im Mpigi Distrikt für 187 Personen zuständig. Das Ziel ist es, den Patientenkreis auf 100 Personen zu verkleinern. Die Fortbildungen werden im Wald durchgeführt, da dies die „normale“ Umgebung der Dorfbewohner ist und sie dort auch gleich in die Pflanzenkunde eingeführt werden können. An dem angestrebten Projekt können 75 angehende traditionelle Heiler teilnehmen.

Gleich beim Frühstück erwartet uns Dan, ein Arzt bei den International Medical Wards. Er erzählt uns, dass er gerade von einem vierwöchigen Einsatz in Nord-Uganda zurückkommt. Neben medizinischer Behandlungen werden Impfungen durchgeführt, Aids-Vermeidung geschult, Birth Control angeboten und Entwurmungen bei Kindern einmal monatlich gemacht. Er war am Rande der Überschwemmungsgebiete und hat Flüsse durchquert, die zuvor Bäche waren. Es sind NGO´s vor
Ort, aber noch immer sind Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten und man kann sich kein genaues Bild vom Ausmaß der Überschwemmungen machen.

Um 8 Uhr geht es weiter nach Masaka. Dort besuche ich die William Hill Primary School mit insgesamt sieben Schuljahren. Diese Schule wurde auf Privatinitiative hin vor fünf Jahren gegründet. Von den 200 Schülern sind 170 Aids-Waisen, deren beide Elternteile an Aids gestorben sind. Die Schule bietet den Schülern neben der Ausbildung auch Essen: Vor dem Unterricht Bananen, da die Kinder meist abends in den Wohnungen bei ihren Vormunden nicht genug zu essen bekommen und hungrig in die Schule kommen; Porridge in der Pause und Lunch. Neben dem Vormittagsunterricht von 2
Blöcken ist nach dem Lunch nochmals zwei Stunden Unterricht, dann Freispielzeit, bis die Kinder nach Hause gehen. Die Schule hat auch eine Krankenstation, in der kranke Kinder behandelt werden. Es sind aktuell vier Fälle von Aids-infizierten Kindern bekannt. Es mag noch weitere Fälle geben, aber zu einer Untersuchung muss der Vormund zustimmen…
Ein Tag in der Schule einschließlich Verpflegung kostet je Kind 27 Cent. Laut dem Schuldirektor besteht eine große Nachfrage, er hat aber keinen finanziellen Spielraum mehr.

Von Masaka fahre ich weiter nach Mbarara zum Queen Elizabeth Park, insgesamt sind es laut Driver ca. 600km, die wir an diesem Tag gefahren sind.

Nach vier Stunden Fahrt komme ich in Ibanda an. Dort bin ich mit Elvira Pöhland von Soma-Uganda verabredet, die mit mir und Father Pelegrine zu dessen Sbano-Projekt in Nyabuteba fahren möchte. Von Ibana aus geht es knapp zwei Stunden (28km) auf einem holprigen Feldweg nach Nybuteba. Father Pelegrine erklärt auf der Fahrt die rudimentäre medizinische Versorgung der Gegend. Es
gibt in Ibana ein staatliches und ein von Missionaren geführtes Hospital. Die Leute bevorzugen das der Missionare, da dort Medizin und Ärzte vorhanden sind, während im staatlichen Hospital sogenannte „Goast-Doctors“ (=gering bezahlte und deshalb häufig nicht anwesende Ärzte) angestellt sind.
Auf dem Weg nach Nyabuteba passieren wir nur noch eine „Klinik”, in der zwar Medizin verkauft wird und auch zwei Patientenbetten im Nebenraum sind, es ist jedoch ein “Ein-Mann-Betrieb”, ohne Arztausbildung –
nur praktische Erfahrung).
Von dort aus sind es noch mehr als 10 km, bis wir endlich Nyabuteba erreichen. Father Pelegrine zeigt mir stolz das Gelände, auf dem er den Grundriss der projektierten Klinik mit Schnüren abgesteckt hat. Das Gebäude soll Patientenzimmer, Behandlungs- und Diagnoseraum, sowie ein Zimmer für die Krankenschwester, beinhalten. Nyabuteba selbst hat ca. 3.000 Bewohner, darunter 700 Schüler. Das gesamte Einzugsgebiet der Klinik beläuft sich auf ca. 10.000 Menschen. Es gibt im Nachbardorf eine ausgebildete Krankenschwester, die gerne in Nyabuteba arbeiten würde. Eine weitere Frau hat mit der Ausbildung angefangen.
Vom geplanten Gebäude aus sind es nur ca. 50m bis zum Wasserloch, aus dem die Klinik mit Wasser versorgt würde. Es versorgt das Dorf ganzjährig, nur in der Regenzeit gibt es mehrere Wasserstellen. Ein Brunnen kann auf Grund des steinigen Untergrundes mit den vorhandenen Werkzeugen nicht geschaufelt werden, es müsste eine richtige Bohrung mit schwerem Gerät stattfinden und hierzu fehlt das Geld.

Abends werden ich dem Sbano-Kommittee vorgestellt und kann meine Fragen zum Projektvorschlag stellen. Das Dorf scheint hinter dem Plan zu stehen und will den Bau mit Eigenleistung unterstützen. Das Gebäude steht bereits zur Verfügung.

Nach unserer Besprechung werde ich gebeten, aus dem Haus zu gehen. Dort die Überraschung: Mehr als 100 Menschen warten auf mich. Father Pelegrine erklärt, dass sie als Dank für den Besuch traditionelle Tänze und Gesänge für Elvira und mich aufführen wollen. Es ist ein wunderschöner Abend mit bunten Festtagskleidern, fröhlichen Menschen, lachenden Kindern, Tanz und Musik.


Bereits um sechs Uhr klingelt der Wecker. Father Pelegrine wartet schon auf mich und bittet mich, einen Baum auf seinem Grundstück zu pflanzen. Nach dem Frühstück fahren Father Pelegrine, Elvira und ich schon wieder los. Auf dem Weg begegnen wir Menschen am Straßenrand, die eine kranke Frau ins Krankenhaus bringen. Sie tragen die Patientin zu viert auf einer selbst geflochtenen Trage zum nächsten Krankenhaus, das von dort aus noch ca. 8 km entfernt ist. Ein Autotransport können sie nicht bezahlen, schon für die Behandlung im Krankenhaus haben sie vermutlich einen Teil ihres Landes verkauft.

Nach sechs Stunden Fahrt und 110km auf einem Feldweg kommen wir in der Pfarrei von Father Pelegrine an. Er ist insgesamt für ca. 63.000 Menschen zusammen mit einem weiteren Priester zuständig. Wir besichtigen die Pfarrei und die heiligen Steine – eine Wallfahrtsstätte für ugandische Christen.

Jetzt liegen noch einmal 2 Stunden Fahrt vor uns, bis wir in Soma-Uganda`s Projekt in Hapuyo ankommen. Dort wird eine Schule gebaut und Kinder durch Patenschaften gefördert.

In Hapuyo werde ich von zwei Mitarbeitern von der ugandischen Partnerorganisation Emesco abgeholt. Für die 17km nach Kalunguuza brauchen wir mehr als eine Stunde, da es geregnet hat. Der Feldweg ist schlammig, das Auto steht trotz Vier-Rad-Antrieb immer wieder quer zur Fahrbahn. Der Empfang bei Emesco ist sehr freundlich und ich besichtige zusammen mit Emely, dem Arzt, dem Deputy Chief Health Officer und einigen mehr die Baustelle des General und Maternity Ward. Die
Gebäude sind noch nicht fertig, obwohl der Fertigstellungstermin verstrichen ist. Ich habe
erwartet, funktionierende Gebäude zu sehen und war geschockt. Emely begründet den Verzug mit schlechtem Wetter und gestiegenen Preisen, verspricht mir aber, dass die Arbeiter die ganze Nacht durcharbeiten und bis zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag alles gut wäre….

Danach geht es zum bestehenden Health Center II. Schon vor der Türe sehen wir Patienten warten, der Warteraum selbst ist überfüllt. Ich besichtige den Untersuchungsraum mit ca. 8qm Fläche und das Schwesternzimmer. Dort werden Patienten geimpft und Medikamente verteilt. Über den nicht gepflasterten Innenhof geht es zu den Patientenräumen. Die drei Räume haben je vier Betten, diese sind mit mindestens einem Patienten belegt. Die Patienten haben alle eine Begleitperson dabei, die sie mit Essen versorgt. Zudem ist häufig Besuch da oder die Patientinnen haben noch ihre Kleinstkinder dabei. Auf Grund der Patientenmenge wurden vom Doktor zwei kleine Küchenräume mit Betten bestückt, so dass noch zwei weitere Patienten Platz haben. Gekocht (auf Holzfeuerstellen) wird deshalb in nur einem Mini-Raum, oder eben vor den Patientenzimmern. Der Abfall wird in eine Grube hinter dem Haus geworfen und von Zeit zu Zeit verbrannt. Für die Patienten gibt es eine Latrine, ein Waschbecken, das Personal teilt sich auch eine Latrine. Für die Frischwasserversorgung steht ein Wellblechwassertank mit ca. 10.000 Litern zur Verfügung. Ist er leer, muss an der Wasserstelle das Wasser geholt werden.

Vormittags besichtige ich das Brunnenbau-Projekt von Emesco. Ziel war, vorhandene Quellen zu Brunnen auszubauen, damit die Leute ganzjährig sauberes Wasser haben. Ein Brunnen versorgt zwischen sechs und 30 Familien mit Wasser. Zusätzlich wurden die Menschen in Hygiene geschult, da viele Krankheiten ganz einfach zu vermeiden wären: Hände waschen nach dem Toiletten-gang, in einem separaten Gebäude kochen bzw. an der Kochstelle (Energie oder Gas ist in den Dörfern nicht verfügbar) Abzugslöcher anzubringen. Hierdurch wird zum einen die Übertragung von Krankheiten, zum anderen auch Husten vermieden.

Unterwegs sehe ich plötzlich mehrere runde Lehmhütten: Es ist eine Primary School, die vor vier Jahren auf Initiative eines Lehrers gegründet wurde. Über 100 Kinder werden dort bzw. im angeschlossenen Kindergarten betreut. Ich darf die offenen Räume besichtigen und wundere mich, dass in der vierten Klassenstufe so wenig Kinder sind. Der Direktor erklärt, dass die Eltern für die Schule ein Schulgeld bezahlen. Hat eine Familie noch zwei Elternteile, sind es je nach finanzieller Situation 15.000 Ush, ca. 6 EUR für drei Monate. Ist nur noch ein Elternteil da, was auf Grund von Aids und anderen Krankheiten sehr häufig der Fall ist, weniger. Ist das Geld nicht vorhanden, unterrichtet er sie teilweise ohne Gebühr. Häufig schicken die Eltern die Kinder dann aber nicht mehr in die Schule, da sie deren Mithilfe im Haushalt und Landwirtschaft benötigen. Als ich wegfahre, winken und rennen mir die Schulkinder hinterher.

Nachmittags besichtige ich die Baustelle. Die Arbeiter sind fleißig: Moskito-Metallnetze werden an Türen und Fenstern angebracht, Wände gestrichen, sogar die Ölfarbe am Wandsockel ist schon angebracht, Fliesen werden gelegt, die Fensterscheiben sind eingesetzt, Türrahmen sind genagelt und Lichtschalter (wo ist die Lampe?) an der Wand eingesetzt. Außen werden die Latrine, Plazenta-Pit und Treppenstufen zum Gebäude hin gegraben.

Dann kommt das Filmteam. Nach einem Lunch besichtigen wir gemeinsam die Baustelle und erklären die Raumverteilung und Funktion der Räume. Danach fahren wir zum bestehenden Health Center II. Dort sind die Räume überfüllt mit Patienten: Klein- und Schulkinder mit Malaria und Bronchitis, ein Kind wurde von einem Motorrad angefahren, Schwangere mit Schlangenbiss oder Malaria, eine Aids- und TB-Kranke, Epileptikerin, verunfallte Männer. Der Doktor hat am Tag bis zu 65 Patienten und muss manche nach Hause schicken, da die Aufnahmekapazitäten erschöpft sind. Der Neubau des General Ward und Maternity Ward schafft Kapazitäten, alle hoffen auf einen baldigen Umzug.

Um 9 Uhr beginnen die Dreharbeiten des Kamerateams des Bayrischen Rundfunks im bestehenden Health Center II. Der Arzt erklärt zuerst den wartenden Patienten und Patientinnen mit Kindern den Grund für die Dreharbeiten und bittet um Dreherlaubnis. Rücksichtsvoll filmt das Team die Untersuchung eines fiebernden, malariakranken Kindes, die Impfung eines Kindes, die Untersuchung eines in der Nacht geborenen Säuglings, den Verbandswechsel bei einem verunfallten Kind und die Situation innerhalb der Patientenzimmer, aber auch im Innenhof.

Für den Nachmittag wird vereinbart, die Mutter des malariakranken Kindes nach Hause zu begleiten und in der Banda (Rundhütte, mit Lehmwänden) zu filmen. Die erste Teilstrecke des Weges können wir mit den Autos zurücklegen, den größeren Teil sind wir zu Fuß unterwegs. Bei der Banda angekommen begrüßen uns die anderen Kinder und der Vater der Familie scheu, lassen sich aber in der Banda filmen.

Danach besuchen wir noch eine im sechsten Monat schwangere Frau, die ihr neuntes Kind erwartet. Sie war vor einer Woche beim Arzt und er möchte sehen, wie es ihr geht. Erschrocken stellt er fest, dass sie fiebert und Malaria hat. Gerne hätte er sie gleich mit in die Klinik genommen, das geht aber nicht, da sie erst ihren Mann um Erlaubnis fragen und die Beaufsichtigung ihrer Kinder organisieren muss.

Gegen Abend gehe ich noch zu KCRC und lasse mir ihre Arbeit erklären. KCRC hat das Ziel, die Menschen in der Umgebung über AIDS (Ansteckung, Test, Krankheitsverlauf, Medikation) aufzuklären. Das geschieht sowohl in Kaluguuza als auch in den verschiedenen Dörfern mittels Vorträgen, Diskussionsrunden, Theaterstücken und Filmen. Den Dorfbewohnern wird im Anschluss an solche Präsentationen ein kostenloser HIV-Test angeboten, der direkt vor Ort ausgewertet wird. Ist der Test positiv, ist der Mensch an HIV erkrankt, ist er negativ, wird im Abstand von drei und sechs Monaten der Test wiederholt.
Ich treffe den Labormitarbeiter Sunday bei den Laborarbeiten an. Neben den HIV-Test führt KCRC auch andere Blutuntersuchungen, z.B. Malaria, und Impfungen durch. Sunday arbeitet auf selbständiger Basis, da der Leiter nicht genug finanzielle Ressourcen hat, ihm ein Gehalt zu bezahlen.
Leider treffe ich Stephen, den Leiter, nicht an, da er auf zweiwöchiger Fortbildung ist, ebenso wenig Christine, eine Peace Corps-Mitarbeiterin, die auch bei KCRC arbeitet.

Am frühen Vormittag habe ich eine Besprechung mit Emesco über die bevorstehende Eröffnungsfeier des neuen Health Center II, also die durch LandsAid finanzierte Krankenstation und das durch Sternstunden finanzierte Geburtshaus. Gleichzeitig besprechen wir noch die erstellten Berichte und die finanzielle Situation des Baus.

Danach gehe ich nochmals zum KCRC, um ein Blutdruckmessgerät und Fieberthermometer abzugeben. In dem Moment kommt Christine angeradelt. Sie und Sunday freuen sich über die Geschenke, da just ihr einziges Fieberthermometer kaputt ging.

Zurück ins Büro von Emesco, wo sich so langsam Aufregung ausbreitet. Ich fliehe vor der Aufregung und gehe zu den neuen Gebäuden. Viele der über 300 Stühle sind schon besetzt, es ist eine VIP-Lounge für die Ehrengäste aufgestellt, eine Trommelgruppe bereitet sich auf ihre Aufführung vor und es dröhnt Musik über den Platz.

Gegen ein Uhr, etwas verspätet, kommt der District Chairmen (entspricht Ministerpräsident), der Gesundheitsminister und alle anderen Ehrengäste sind schon da. Das Fest kann also beginnen. Nach Vorstellung der Ehrengäste darf ich als Repräsentantin von LandsAid zusammen mit dem Ministerpräsidenten die Schleifen durchschneiden und somit die Gebäude eröffnen. Was für ein Moment. Danach geht ein Priester durch die beiden Gebäude und segnet alle Räume. Dann hält jeder Ehrengast eine Rede, auch ich werde dazu gebeten. In meiner Rede bedanke ich mich bei allen Beteiligten, die eine schnelle Finanzierung, Baugenehmigung, Baudurchführung und dauernde Begleitung des Baus gewährleistet haben, und schließe mit der Hoffnung, dass zukünftig mehr Menschen von der medizinischen Einrichtung profitieren können als bislang.
Im Anschluss führt die erwähnte Trommelgruppe ein musikalisches Theaterstück auf und danach gibt es ein Festessen für alle Gäste.

Ich gehe irgendwann, da eine weitere Besprechung mit Emesco ansteht. Danach besuche ich Microfinance, eine Kreditgesellschaft, die vor zwei Jahren aus der Emesco-Gesellschaft ausgegliedert wurde. Mir wird das System der Kreditvergabe, Kredithöhe, Kreditlaufzeit, etc. erklärt. Die Bitte, ob sich LandsAid eine Unterstützung von Microfinance vorstellen könnte, verneine ich, da dies nicht der Kern unserer Zielsetzung trifft.

Nach diesem Termin wartet schon der Fahrer auf mich. Der Priester, der die neuen Gebäude gesegnet hat, möchte mich in seiner Pfarrei herumführen. Er zeigt mir die Kirche und erklärt, dass die Dekoration für den anstehenden Besuch des Bischofs sei und führt mich zur Primary School, die ca. 1.100 Kinder hat, dazu noch 15 behinderte Kinder. Er meint, dass es sehr viele behinderte Kinder in Uganda gibt, die aber meist in den Familien leben und keine Schule besuchen. Auch in dem Einzugsgebiet seiner Pfarrei würde ein größerer Bedarf bestehen, er hat aber keine finanziellen Möglichkeiten mehr, um Lehrer bzw. Betreuer einzustellen. Die Schule an sich ist auch nicht fertiggestellt, in den Räumen fehlt seit Erstellung der Boden, die Wände sind nicht gestrichen, etc., es fehlt eben an Geld.

Heute fahre ich nach Kampala. Am Samstag fliege ich zurück nach Deutschland. Uganda ist ein sehr schönes, sehr grünes und fruchtbares Land mit sehr freundlichen Menschen. Trotzdem freue ich mich wieder auf Zuhause, zuverlässigen Strom, ein funktionierendes Telefonnetz und … eine Dusche.
Unterwegs sehe ich plötzlich mehrere runde Lehmhütten: Es ist eine Primary School! Kathrin Müller - 2007 für LandsAid in Uganda
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