Von der Unfassbarkeit des Todes

Was wir so schwer in unserer westlichen Welt verstehen können, ist in so vielen Regionen der Welt Realität: Das Leben hat nicht immer einen Wert. In Haiti liegen viele Tote in Containern. Keiner betrauert ihren Tod, niemand möchte sich um sie kümmern. Sie sind gestorben, hatten kein Geld, waren nichts wert.

Unvorstellbar für uns. Undenkbar wie scheinbar würdelos die Menschen auf Haiti miteinander umgehen. Doch bleibt ihnen oft nicht viel übrig. Haiti ist ein zerrüttetes Land. Völlig verarmt und heimgesucht von vielen Katastrophen versucht jeder einfach nur zu überleben. Wer sich medizinische Hilfe nicht leisten kann, der stirbt. Eine würdevolle Begleitung in den Tod bleibt die Ausnahme. Die meisten Einwohner Haitis sind jedoch Katholiken und glauben an die Notwendigkeit einer rituellen Bestattung.

Father Rick aus dem St. Damien Hospital gab Antwort und startete ein einmaliges Projekt. Er besorgte einen Lastwagen und Leichentücher, rekrutierte ein paar Gehilfen und sammelte die Leichen ein. Noch immer fährt er sie zu einer Wiese am karibischen Strand und gibt ihnen eine würdevolle Bestattung.

Gesänge und Instrumente sind über den gesamten Platz zu hören. Die Zeremonie gilt vielen Toten, die nun Frieden finden können. Father Rick spricht die Gebete und lässt die Gräber schließen. Fanden sich Angehörige, so konnten sie Abschied nehmen. Auch Unbekannte kommen zu den Bestattungen und gedenken der Toten. So unwirklich uns der Tod hier anmuten mag, so ist er ein Zeichen der Hoffnung. Das Leben bekommt einen Wert. Keiner ist vergessen in diesem scheinbar hoffnungslosen Land.

Über dieses Projekt hinaus schaffte Father Rick in all den Jahren seines Wirkens auf Haiti Hoffnung für die Armen und Kranken. Er wurde Arzt, um die Kranken zu behandeln. Er adoptierte unzählige behinderte Kinder, damit sie nicht ihrem Tod überlassen werden und er finanzierte die Behandlung vieler Menschen, die sonst gestorben wären. Unterstützt wird er in seiner Arbeit auch von uns.

Insbesondere Gaby Breuckmann, Mitglied des Vorstandes von LandsAid, ist jedes Jahr gleich mehrfach bei Father Rick, um zu helfen. Sie sammelt die Leichen mit auf, behandelt die kranken und behinderten Kinder im St. Damien Hospital und assistiert selbst bei der heiligen Messe, wenn es nötig ist. Gaby ist mittlerweile über 70 Jahre, auch wenn man es ihr nicht ansieht. Ihre Lebensenergie und Kraft schöpft sie aus den vielen Begegnungen mit den Menschen.

Hoffnung ist der Motor dieser Hilfe – Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Menschen auf Haiti.

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