Gemeinsam Perspektiven schaffen

Besuch von unserer türkischen Partnerorganisation Imece

Projekte in der Türkei und in Nordsyrien

Oktober 2026 – Am 13. Oktober 2026 durften wir Ali Güray und Hazal Durak von unserer langjährigen türkischen Partnerorganisation Imece in unserem Münchner Büro begrüßen. Seit vielen Jahren setzen wir gemeinsam Projekte für Menschen um, die von Flucht, Vertreibung und den Folgen des Krieges betroffen sind. Die schweren Erdbeben vom Februar 2023 haben die ohnehin angespannte humanitäre Lage in der Türkei und Nordsyrien weiter verschärft. Viele Menschen verloren ihr Zuhause, Schulen und andere Einrichtungen wurden beschädigt oder zerstört. Bis heute ist der Unterstützungsbedarf groß. Im persönlichen Austausch sprachen wir über laufende Hilfsmaßnahmen, neue Projektideen und die Zukunft unserer Zusammenarbeit.

Ali und Hazal brachten ein besonderes Gastgeschenk mit: ein Set mit Montessori-Lernmaterialien, das Imece derzeit an Schulkinder in Nordsyrien verteilt. Mit Puzzles und anschaulichen Materialien lernen die Kinder Buchstaben, Zahlen, Rechnen und die Kontinente. Auch die Planeten unseres Sonnensystems können sie spielerisch entdecken. Das Material fördert selbstständiges Lernen durch Anfassen und Ausprobieren.

Das Lernmaterial ist Teil eines gemeinsamen Projekts, mit dem LandsAid und Imece die Bildungschancen von Kindern in Nordsyrien verbessern. Viele Familien, die in der Türkei Zuflucht gesucht hatten, kehren inzwischen nach Syrien zurück. Dort fehlen häufig geeignete Lernmaterialien und gut ausgestattete Klassenräume.

Ali berichtete von Mohamed, einem Lehrer, der früher in Izmir lebte und inzwischen nach Syrien zurückgekehrt ist. Dort setzt er sich für bessere Lernbedingungen ein. Viele Schulen müssen renoviert und Klassenräume neu ausgestattet werden.

Für das Frühjahr 2027 plant Imece deshalb einen weiteren Einsatz in Nordsyrien. Gemeinsam mit Freiwilligen möchte das Team Schulräume renovieren, Wände streichen und neue Tische bereitstellen. In Abstimmung mit den Schulleitungen wurde der Bedarf ermittelt. Da die Mittel begrenzt sind, hat Imece zunächst eine Vorschule als mögliche begünstigte Einrichtung ausgewählt. Vor Beginn der Arbeiten sollen die örtlichen Behörden einbezogen werden.

Neben Bildungsangeboten unterstützt Imece die Menschen in Nordsyrien ebenso wie syrische Geflüchtete in Izmir mit Lebensmittelverteilungen. Bei Verteilungen in Camps um Izmir hatten wir unseren türkischen Partner unterstützt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das „Back to Home“-Programm, das Imece seit rund zwei Jahren in einem „Village“ nahe Izmir umsetzt. Es richtet sich vor allem an syrische Frauen, die in ihre Heimat zurückkehren möchten, und ihre Kinder.

Die Frauen werden aus Izmir abgeholt und nach den Workshops zurückgebracht. In Schulungen zu Elektrik, Autolackierung, Tischlerei, Permakultur und nachhaltiger Landwirtschaft erwerben sie praktische Fähigkeiten, die ihnen den Aufbau einer eigenen wirtschaftlichen Existenz erleichtern können. Für die Kinder gibt es parallel eigene Aktivitäten.

Das Angebot ist besonders für Frauen wichtig, die ihre Familien allein versorgen. Berufliche Kenntnisse können ihnen helfen, eigenes Einkommen zu erzielen und ihr Wissen an andere Frauen weiterzugeben. Nach ihrer Rückkehr können sie damit auch zum Wiederaufbau ihrer Heimatgemeinden beitragen.

Imece möchte künftig mehr Frauen erreichen, insbesondere Mütter mit Kindern. Dafür sollen zusätzliche Kinderbetreuungsangebote geschaffen werden. Sieben Freiwillige engagieren sich derzeit im Village, weitere sozialpädagogische Unterstützung wird benötigt.

Rund um Izmir leben weiterhin viele syrische Geflüchtete unter schwierigen Bedingungen, viele in informellen Siedlungen nahe Izmir. Ihre wirtschaftliche Lage verschlechtert sich. Viele Geflüchtete finden kaum noch Arbeit als Saisonkräfte in der Landwirtschaft. Mit dem nahenden Winter wächst der Druck auf die Familien.

Beim Austausch ging es auch um die schwierigen Rahmenbedingungen für humanitäre Organisationen. Sinkende Spenden und gekürzte Fördermittel erschweren sowohl uns als auch Imece die Finanzierung der Arbeit. Wir suchen deshalb nach neuen Wegen, um Projekte langfristig zu sichern.

Auch Frauenprojekte waren Thema des Gesprächs. Wir berichteten über unser Projekt in Mosambik, in dem psychosoziale Maßnahmen Frauen dabei unterstützen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und ihre Selbstbestimmung zu stärken.

Im Gespräch entwickelten wir erste Überlegungen, wie sich unsere Zusammenarbeit künftig weiterführen und ausbauen lassen könnte. Der persönliche Austausch hilft uns, die Situation vor Ort besser zu verstehen, Bedarfe gemeinsam einzuordnen und mögliche neue Projekte zu planen.

Bei Kaffee und türkischem Nougat ließen wir den gemeinsamen Nachmittag in unserem Büro ausklingen. Die Einladung nach Izmir zum Gegenbesuch haben wir bereits erhalten und freuen uns darauf, den persönlichen Austausch dort fortzusetzen.

Das Treffen hat erneut gezeigt, wie wichtig die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen ist. Sie kennen die Lebensbedingungen der Menschen, erkennen Veränderungen vor Ort und richten ihre Angebote am tatsächlichen Bedarf aus. Auf dieser Grundlage wollen wir auch künftig gemeinsam Hilfe leisten.

Unsere lokale Partnerorganisation Imece Initiative entstand 2014 in Izmir als Reaktion auf die syrische Flüchtlingskrise und wurde im März 2016 als Verein registriert. Seitdem unterstützt die Organisation geflüchtete und benachteiligte Menschen in der Region, unter anderem mit Bildungsangeboten, humanitärer Hilfe und Maßnahmen zur Stärkung der Selbstständigkeit.

Imece arbeitet direkt mit den betroffenen Gemeinden und lokalen Strukturen zusammen. Die Organisation ist sowohl in der Region Izmir als auch in syrischen Gebieten unmittelbar hinter der türkischen Grenze aktiv. LandsAid arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit Imece zusammen und unterstützt gemeinsam mit der Organisation Projekte für Menschen, die von Flucht, Vertreibung und den Folgen des Krieges betroffen sind.

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2026-10-15T11:05:36+00:00
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