Frauen stärken, Perspektiven schaffen

LandsAid und Partner stärken Frauen in Mosambik durch Bildung, psychosoziale Begleitung und wirtschaftliche Förderung. Stefani Rackes da Silva war vor Ort

Gespräche mit Partnern, Aktivistinnen und Teilnehmerinnen

November 2026 – Wie entwickelt sich ein Projekt, wenn die ersten Schulungen abgeschlossen sind? Was funktioniert bereits gut, wo braucht es Veränderungen? Um diese Fragen zu beantworten, ist unsere Projektmanagerin Stefani Rackes da Silva erneut nach Mosambik gereist. Im Mittelpunkt standen Gespräche mit den lokalen Projektpartnern, den ausgebildeten Aktivistinnen und den Frauen, die an den Maßnahmen teilnehmen.

Unser Projekt läuft seit November 2025 und wird bis November 2027 gemeinsam mit der mosambikanischen Frauenrechtsorganisation GMPIS umgesetzt. Gefördert wird es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie von Aktion Deutschland Hilft. Es umfasst 13 Distrikte in den Provinzen Sofala und Cabo Delgado.

Im Mai hatte Stefani die Mitarbeitenden und Aktivistinnen von GMPIS in Projektmonitoring, Finanzmanagement, Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit geschult. Bei ihrem jetzigen Besuch ging es darum, den Fortschritt der Projektmaßnahmen zu überprüfen und gemeinsam mit GMPIS zu klären, wo Anpassungen notwendig sind.

In sechs Distrikten konnte sie sich selbst ein Bild machen. Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen vor Ort sind. Während einige Gruppen bereits gute Fortschritte bei der psychosozialen Unterstützung erzielen, brauchen andere noch mehr Begleitung beim Aufbau von Spargruppen und wirtschaftlichen Aktivitäten.

„Unser Partner hat uns sehr transparent gezeigt, was gut läuft und wo es noch Schwierigkeiten gibt“, berichtet Stefani. Diese Offenheit ist wichtig, um die Maßnahmen an die tatsächlichen Bedürfnisse der Frauen anzupassen.

 

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Ausbildung von 26 Frauen zu Aktivistinnen. Sie lernen, wie sie Frauenrechte und Menschenrechte vermitteln, wirtschaftliche Eigenständigkeit fördern und über Themen wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmung informieren können.

Anschließend geben sie ihr Wissen in ihren Gemeinden weiter. Jede Aktivistin soll weitere Frauen schulen. Dabei geht es nicht allein um theoretisches Wissen. Rollenspiele, Theaterübungen und praktische Aufgaben helfen den Teilnehmerinnen, das Gelernte anzuwenden und eigene Erfahrungen einzubringen.

Die bisherigen Ergebnisse stimmen zuversichtlich: 80 Prozent der Aktivistinnen haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die übrigen 20 Prozent haben einen Auffrischungskurs besucht.

Damit entsteht ein Netzwerk von Frauen, die andere Frauen erreichen können. Das Wissen bleibt in den Gemeinden und kann dort weitergegeben werden.

Ein eigenes Einkommen kann Frauen helfen, ihre Lebenssituation selbstbestimmter zu gestalten. Deshalb verbindet das Projekt die Schulungen mit konkreten Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit.

In Spargruppen legen die Teilnehmerinnen regelmäßig Geld zurück. Wer einen finanziellen Engpass überbrücken muss, kann sich unter festgelegten Bedingungen Geld aus der Gruppe leihen. Die Zinsen werden entsprechend den vereinbarten Regeln am Jahresende verteilt. So lernen die Frauen, gemeinsam Rücklagen aufzubauen und finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Ergänzend entstehen Kreditgruppen für Frauen, die ein eigenes kleines Unternehmen gründen möchten. Dafür müssen sie einen Businessplan vorlegen. Die ersten Pläne liegen bereits vor, die Entscheidungen über die Vergabe der Kleinkredite stehen noch aus.

Langfristig sollen die Gruppen auch anderen Frauen in ihren Gemeinden Zugang zu Kleinkrediten ermöglichen. Damit kann ein Unterstützungsangebot entstehen, das über die unmittelbaren Projektteilnehmerinnen hinausreicht.

Für viele Frauen ist auch der Zugang zu Bildung eine wichtige Voraussetzung für mehr Selbstständigkeit. Rund 70 Prozent der Teilnehmerinnen können nach den bisherigen Projektangaben nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben.

In Alphabetisierungsgruppen lernen sie deshalb grundlegende Fähigkeiten, die sie im Alltag benötigen. Die Lehrkräfte arbeiten mit der REFLECT-Methode. Dabei werden Lesen und Schreiben anhand von Themen vermittelt, die an die Erfahrungen der Teilnehmerinnen anknüpfen.

Die Frauen können so beispielsweise lernen, Informationen zu verstehen, schriftliche Angaben zu nutzen und ihre eigenen Angelegenheiten selbstständiger zu regeln.

Ziel ist es, einen Teil der Erträge aus dem Kleinkreditfonds künftig für neue Alphabetisierungsgruppen einzusetzen. So sollen die Kurse auch nach dem Ende der Projektförderung weitergeführt werden können.

Besonders eindrücklich war für Stefani die Begegnung mit Lucia. Die 35-Jährige lebt in Cabo Delgado, einer Provinz, in der die Sicherheitslage in einigen Gebieten sehr schwierig ist. Viele Frauen mussten ihre Heimat verlassen und haben Gewalt und schwere Verluste erlebt.

Lucia hat sich trotz schwieriger Lebensumstände eine eigene Existenz aufgebaut. Sie spricht sieben lokale Sprachen, hat ein eigenes Unternehmen gegründet und stellt Teppiche aus regional verfügbaren Materialien her. Mit ihrem Wissen möchte sie nun andere Frauen unterstützen und ihnen zeigen, wie sie selbst ein Einkommen erwirtschaften können.

Ihre Rolle geht dabei über die Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten hinaus. Lucia kennt die Schwierigkeiten, vor denen Frauen ohne Unterstützung stehen. Sie möchte ihnen Wege aufzeigen, wie sie ihre Fähigkeiten nutzen und eine eigene wirtschaftliche Perspektive entwickeln können.

Stefani hat Lucia während ihrer Reise getroffen und mit ihr gesprochen. Ihre Geschichte macht deutlich, wie wichtig Frauen sind, die anderen als Vorbilder dienen und ihr Wissen weitergeben.

Für die Frauen in Cabo Delgado müssen dabei andere Ansätze entwickelt werden als in der vergleichsweise sicheren Provinz Sofala. Während dort Berufsbildungskurse mit der lokalen Organisation Young Africa vorbereitet werden, sollen in Cabo Delgado erfahrene Frauen wie Lucia ihr Wissen direkt in den Gemeinden vermitteln. Die Teilnehmerinnen haben bereits entschieden, welche beruflichen Fähigkeiten sie erwerben möchten. Die Kurse müssen noch beginnen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die psychosoziale Unterstützung. In den besuchten Gemeinden haben viele Frauen belastende Erfahrungen gemacht. Vertreibung und Gewalt wirken sich auf ihr Leben aus und erschweren es ihnen, Vertrauen zu fassen und neue Perspektiven zu entwickeln.

In begleiteten Gruppen können die Frauen über ihre Erfahrungen sprechen, sich gegenseitig unterstützen und Wege finden, mit dem Erlebten umzugehen. Diese Angebote sind besonders in Cabo Delgado wichtig, wo die Sicherheitslage die Arbeit erschwert und andere Hilfsangebote nur eingeschränkt verfügbar sind.

Die bisherigen Befragungen zeigen, dass sich rund 80 Prozent der Frauen durch die psychosoziale Unterstützung besser fühlen. Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Angebote bei vielen Teilnehmerinnen ankommen.

Für Stefani gehörten die Gespräche mit den Frauen zu den bewegendsten Momenten der Reise. „Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen machten deutlich, wie wichtig es ist, die psychosoziale Begleitung fortzuführen und an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen“, sagt sie.

Die Projektreise hat gezeigt, dass die Maßnahmen in den einzelnen Distrikten unterschiedlich weit entwickelt sind. Einige Gruppen benötigen mehr Unterstützung beim Aufbau wirtschaftlicher Strukturen, andere bei der Vermittlung von Wissen oder der Organisation ihrer Aktivitäten.

Deshalb begleitet LandsAid die Umsetzung gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation eng. Ziel ist es, dass die Frauen die Angebote zunehmend selbst organisieren und langfristig eigenständig weiterführen können.

Für Stefani war vor allem die Bereitschaft der Teilnehmerinnen ermutigend, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Die Aktivistinnen sollen ihr Wissen weitergeben, die Spar- und Kreditgruppen sollen wachsen und die beruflichen Schulungen sollen den Frauen neue Möglichkeiten eröffnen.

 

Mit dem Projekt stärkt LandsAid Frauen dabei, ihre Rechte wahrzunehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und wirtschaftlich unabhängiger zu werden. Gleichzeitig entstehen lokale Strukturen, die Frauen auch nach dem Ende der Förderung unterstützen können.

Damit diese Arbeit weitergehen kann, braucht es verlässliche Unterstützung. Sie ermöglicht Schulungen, psychosoziale Begleitung und den Aufbau wirtschaftlicher Perspektiven für Frauen, die unter schwierigen Bedingungen leben.

Zugehörige Beiträge

Ihre Spende kommt an

Unser Ausgaben und Einnahmen werden regelmäßig vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) überprüft. Es bescheinigt uns seit 2009 regelmäßig eine ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder, weshalb wir zum Tragen des entsprechenden Siegels berechtigt sind.

Ihre Spende hilft, Frauen in Mosambik den Zugang zu Bildung, psychosozialer Begleitung und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu eröffnen. Sie unterstützt die Ausbildung lokaler Aktivistinnen, Alphabetisierungskurse und den Aufbau von Spar- und Kreditgruppen.

Unterstützen Sie das Projekt mit Ihrer Spende. Damit helfen Sie Frauen, ihre Rechte wahrzunehmen, ein eigenes Einkommen aufzubauen und ihre Zukunft selbstbestimmter zu gestalten.

Im Jahr 2017 begann in verschiedenen Distrikten in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik ein Aufstand von gewalttätigem Extremismus und Terrorismus, der zu Angriffen auf die lokale Bevölkerung führte. Derzeit sind mehr als 800.000 Menschen auf der Flucht, was etwa 35 Prozent der Bevölkerung der Provinz entspricht. Tragischerweise haben mehr als 4.000 Menschen ihr Leben verloren. Viele junge Frauen und Mädchen wurden von den Aufständischen entführt und verschleppt. Diejenigen, die fliehen konnten, berichten von Massenvergewaltigungen und anderen Missbräuchen und sind schwer traumatisiert.

Die Vertriebenen sind über das ganze Land verstreut, wobei die Stadt Pemba und die benachbarten Provinzen Nampula, Niassa, sowie Zambesia besonders betroffen sind.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen in Mosambik leiden die meisten Vertriebenen unter einem gravierenden Mangel an Nahrungs- und Subsistenzmitteln. Die überwiegende Mehrheit der Vertriebenen sind Frauen und Kinder, darunter schwangere und stillende Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Ihr Leben, ihre Würde und ihre Sicherheit sind stark beeinträchtigt.

Viele dieser Frauen und Mädchen haben miterlebt, wie ihre Häuser zerstört oder geliebte Menschen getötet wurden. Sie selbst sind oftmals von Kämpfern, aber auch von Soldaten, sexuell missbraucht wurden. Dies hat sie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, in der sie früher Lebensmittel für ihre Familien produzierten. Sie leben nun zum größten Teil in überfüllten Unterkünften oder notdürftig bei Familien, die oft eine große Anzahl von Personen (oft mehr als 30) beherbergen.

Die geflüchteten Frauen sind bei ihrer Ankunft in den Aufnahmezentren oft traumatisiert, durch Hunger geschwächt und ohne jegliche medizinische Versorgung. Sexuelle Übergriffe und Gewalt, die sie auf der Flucht und sogar in den Aufnahmezentren erfahren haben, sowie die schlechte Gesundheitsversorgung in den Zentren machen sie noch verwundbarer.

Einige vertriebene Frauen sehen keinen anderen Ausweg, als der Prostitution nachzugehen, um die extreme Armut zu überleben. Zum Teil sind es Mädchen im Alter von zwölf bis 18 Jahren, die das berichten.

Frauen und Mädchen mit Behinderungen sind nochmals extremer von Gewalt und Diskriminierung betroffen und werden bei Lebensmittel- oder Bedarfsgüterverteilungen oft nicht berücksichtigt – einfach, weil sie nicht genug Kraft haben, sich im Überlebenskampf durchzusetzen.

Die allermeisten Frauen und Mädchen erhalten bisher keine Art von psychosozialer Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten.

GMPIS

Die 2014 gegründete feministische Plattform GMPIS zielt darauf ab, die Debatte und den Erfahrungsaustausch zwischen Frauen zu fördern und Menschenrechte sowie Frauenautonomie im Land zu stärken. Derzeit sind rund 30 Gruppen, Verbände und NGOs in verschiedenen Regionen Mosambiks beteiligt. Seit 2021 hat sich GMPIS als landesweiter Verband etabliert, mit der Möglichkeit, Vertretungen in jedem Teil des Landes oder im Ausland zu gründen. Zu seinen Zielen gehören die Schaffung eines Raums für den feministischen Dialog und das Eintreten für Frauenrechte, die Verteidigung der Einbeziehung von Frauen beim Zugang zu Justiz und Land, die Förderung der Einbeziehung von Frauen mit Behinderungen, die Stärkung der Teilhabe von Frauen an der der politischen Entscheidungsfindung, die wirtschaftliche Stärkung und die Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit .

Darüber hinaus möchte die Gruppe die feministische Vision der Körperautonomie und der sexuellen und reproduktiven Gesundheit von Frauen erweitern und im Rahmen der Agenda 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit u.a. lokale Friedens- und Sicherheitskomitees gründen bzw. neu beleben. Unser lokaler Partner hat mehrere Projekte im Bereich Menschen/Frauenrechte umgesetzt. Gleichzeitig hatte er auch ein Augenmerk auch auf die Einführung von Resilienzstrategien gegenüber dem Klimawandel. Dies ist insbesondere in Mosambik, das als Land mit hoher Anfälligkeit für Naturkatastrophen gilt, wichtig.

Schön, dass Sie helfen wollen!

Spenden Sie jetzt

Kontobezeichnung:
LandsAid e. V.

Bank
IBAN
BIC

Sparkasse Landsberg-Dießen
DE66700520600000014001
BYLADEM1LLD

Mit einer Fördermitgliedschaft unterstützen Sie uns nachhaltig und ermöglichen uns eine längerfristige und vernünftige Projektplanung.

Aus Kostengründen versenden wir Zuwendungsbestätigungen für Beträge über € 300,– automatisch am Anfang des Folgejahres (bitte geben Sie dafür unbedingt eine vollständige Adresse im Verwendungszweck an). Für Beträge unter € 300,– genügt beim Finanzamt die Vorlage des Kontoauszuges.

Falls Sie dennoch sofort eine Zuwendungsbestätigung wünschen, geben Sie uns bitte Bescheid, damit wir diese zuschicken können.

Ihre Spende wird für das ausgewählte Hilfsprojekt eingesetzt. Sollten dort mehr Mittel eingehen als benötigt oder sich der Bedarf vor Ort verändern, verwenden wir Ihre Spende für vergleichbare humanitäre Hilfsmaßnahmen. So stellen wir sicher, dass Ihre Unterstützung dort ankommt, wo sie im Rahmen unseres Satzungszwecks am dringendsten benötigt wird.

Unsere Partner und Förderer

2026-11-06T08:49:14+00:00
Nach oben