Flüchtlinge in der Türkei 1

Flüchtlinge in der Türkei

Hilfe für Flüchtlinge in der Türkei

Über 10.000 Menschen versorgen wir derzeit mit Lebensmitteln

Unsere Projektleiterin Carola Gerhardinger besuchte Ende Januar 2021 mit unserem Geschäftsführer Sven Weber Flüchtlinge in Izmir (Türkei), um Lebensmittelmittelpakete in den Lagern rund um die Millionenstadt zu verteilen und die Lage zu sondieren. Über 200.000 Menschen leben hier – die Hälfte davon in sogenannten wilden Camps. Überwiegend sind es syrische Flüchtlinge, zu 80 Prozent Frauen und Kinder, die sich in selbsterrichteten Lagern niedergelassen haben. Sie sind zwar geduldet, erhalten jedoch keinerlei staatliche Hilfen, haben weder Arbeit noch Geld. Es mangelt ihnen an Nahrung und sauberem Trinkwasser, schützender Kleidung und medizinischer Versorgung. Zudem ist es kalt und regnet stark. Die notdürftig errichteten Zelte versinken im Schlamm.

Heute (27.01.21) kamen wir kaum zu den Camps durch. Es war kalt und der Regen wollte nicht aufhören. Die Kinder hatten nicht einmal Schuhe an und die Zelte standen teils unter Wasser. Dennoch konnten wir wieder 1.500 Menschen erreichen.

Sven Weber, Geschäftsführer LandsAid am 27.01.21 bei einer Lebensmittelverteilung

Lebensmittelpakete gegen den Hunger

Gemeinsam mit den Drei Musketieren, einer Hilfsorganisation aus Reutlingen, haben wir bis jetzt 15 Tonnen Lebensmittel an 5.000 Menschen verteilt. Weitere 5.000 Menschen sollen in den nächsten Tagen versorgt werden. Wir erwägen nun, im Anschluss weitere Lebensmittelverteilungen vorzunehmen – mit neuen Mitteln und gemeinsam mit unseren Spendern. Zudem verschaffen wir uns gerade einen Überblick über die medizinische Versorgung und prüfen, wo Hilfe möglich und notwendig ist.

Die große Mehrheit der Menschen in den Camps ist auf der Durchreise. Die Geflüchteten wurden von Schleppern nach Izmir gebracht, um von der Landzunge bei Cesme nach Kos oder Lesbos überzusetzen. Sie wissen zwar um die Gefahren, aber sie sehen keinen anderen Weg. Zuhause warten Krieg und Tod auf sie, hier Hunger und Leid. Es gibt für sie nur eine Richtung.

Wir möchten ihnen noch einen anderen Weg zeigen und werden neben der Lebensmittelversorgung ein langfristiges Projekt starten: ein Bildungs- und Empowerment-Programm

Auch dafür finden vor Ort schon Gespräche statt. Das Projekt bietet eine siebenmonatige Berufsausbildung für syrische Frauen im Textilbereich an, Workshops zur Stärkung der Rolle als Frau und Aktivitäten zum sozialen Zusammenhalt für zunächst 60 bis 65 Teilnehmerinnen. das Projekt startet nun im März 2021.

Für eine Betreuung der Kinder wird gesorgt, beispielsweise durch die Unterrichtung in Lernklassen. Zudem sollen Hygienepakete – etwa Mund-Nasen-Masken, Shampoo und Duschgel – an bedürftige Frauen verteilt werden.

Hintergrund:

Derzeit leben laut UNO-Bericht mehr als vier Millionen Geflüchtete in der Türkei. Allein 3,6 Millionen sind syrischer Herkunft. Die übrigen sind Flüchtlinge und Asylsuchende anderer Nationalitäten, hauptsächlich aus Afghanistan, dem Irak und dem Iran. Die hohe Anzahl der Geflüchteten bedeutet zunehmend eine Belastung der Ressourcen und der Infrastruktur in der Türkei. Nur knapp zwei Prozent der Flüchtlinge leben in organisierten Lagern. Die größte Herausforderung bleibt die Verfügbarkeit von Ressourcen und Dienstleistungen, sowohl für die Geflüchteten als auch für die Aufnahmegemeinschaften. Flüchtlinge sehen sich mit hohen Mieten und einem begrenzten Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitseinrichtungen konfrontiert. Gleichzeitig nehmen die Spannungen zwischen ihnen und der einheimischen Bevölkerung zu.

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