Nach der Flut: LandsAid unterstützt erneut die Gemeinde Nordendorf
Nordendorf baut sein Ganztagsangebot neu auf – Rückkehr in die für Schulzwecke genutzten Kellerräume erst 2027 möglich
Noch immer Arbeit an den Folgen der Flut
März 2026 – Nach unserer ersten Unterstützung beim Wiederaufbau des durch das Hochwasser beschädigten Bauhof-Sozialraums starten wir nun unser zweites Projekt in Nordendorf.
Ziel ist diesmal die Offene Ganztagsschule (OGTS) der Grundschule. In den Kellerräumen, in denen sich zentrale Bereiche der Schule befanden – darunter die Mensa mit Küche, Werk- und Handarbeitsräume sowie Aufenthalts- und Hausaufgabenräume – war kontaminiertes Wasser eingedrungen.
Die Räume wurden schwer beschädigt und mussten in einem aufwendigen Prozess entkernt werden: Böden, Putz, Trockenbauwände, Holzverkleidungen, Türen und Türstöcke wurden entfernt.
Um sich ein Bild von der Lage zu machen, besuchte unsere Pressereferentin Andrea Schmelzle am
2. März die Gemeinde und sprach vor Ort mit Bürgermeister Tobias Kunz über den Stand der Sanierungsarbeiten. Dabei wurden auch die Lagerräume im neuen Rathaus besichtigt, in denen die von LandsAid finanzierten Einrichtungsgegenstände bis zur Fertigstellung der neuen Räume zwischengelagert werden. Denn die Nutzung der sanierten Kellerräume der Schule ist frühestens ab September 2027 möglich.
Anfang Juni 2024 führten schwere Unwetter in großen Teilen von Bayern und Baden-Württemberg zu verheerenden Überschwemmungen. Innerhalb von nur 24 Stunden fiel stellenweise so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat. Flüsse und Bäche traten über die Ufer, mehrere Landkreise riefen den Katastrophenfall aus, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Auch Nordendorf wurde stark getroffen. Der Fluss Schmutter trat über die Ufer, ein Deich südlich des Ortes wurde überspült, und das Wasser strömte über Felder direkt in die Gemeinde. Trotz eines eilig errichteten Schutzwalls ließ sich die Flut nicht mehr aufhalten – die gesamte Bevölkerung musste evakuiert werden.
Als sich das Wasser zurückzog, wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar.
Besonders hart traf es die Grundschule der Gemeinde. Über Sickerschächte drang kontaminiertes Wasser in die Kellerräume ein und überflutete die Räume der OGTS vollständig.
Heute erinnert der Keller eher an eine Großbaustelle als an einen Lernort. „Es sieht noch aus wie ein archäologisches Schlachtfeld“, beschreibt Nordendorfs Bürgermeister Tobias Kunz die Situation.
Zunächst halfen Freiwillige beim Entfernen von Putz, Estrich und beschädigten Bauteilen. Später stellten Fachfirmen fest, dass unter dem Gebäude alte Betonschächte mit jahrzehntealten Leitungen verlaufen. Außerdem zeigte sich, dass Teile der Schule – die 1963 eröffnet wurde – gar keine stabile Bodenplatte besitzen.
Um den Keller künftig gegen Hochwasser zu sichern, muss daher eine komplett neue Bodenplatte mit Stahlbewehrung eingebaut werden, die fest mit den Fundamenten verbunden ist und dem Wasserdruck standhalten kann. Dafür musste die alte Bodenplatte vollständig entfernt werden.
Im Vorfeld der Bauarbeiten waren umfangreiche Planungen notwendig, berichtet Tobias Kunz. Statiker mussten Berechnungen durchführen, neue Raumkonzepte erstellt und Bauanträge vorbereitet werden. Auch Genehmigungen der Schulaufsicht sowie Abstimmungen mit verschiedenen Behörden waren erforderlich. „Wenn der Bagger anrollt, ist das meiste eigentlich schon getan“, so Kunz. „Dann geht es schnell.“
Wenn alle Genehmigungen vorliegen, sollen die Bauarbeiten möglichst bald starten – am besten noch pünktlich zu den Sommerferien, sodass die Schülerinnen und Schüler möglichst lange vor Lärm geschützt werden. Ziel ist eine Fertigstellung bis zum Sommer 2027.
Insgesamt rechnet die Gemeinde mit Kosten von rund 2,1 Millionen Euro für die Sanierung der Kellerräume. Ein großer Teil soll über staatliche Förderprogramme und Mittel für den Ausbau von Ganztagsschulen finanziert werden.
Der reguläre Schulunterricht konnte und kann weiterhin stattfinden. Allerdings mussten die Bereiche der Offenen Ganztagsschule, die zuvor in den Kellerräumen untergebracht waren, vorübergehend verlegt werden. Seitdem läuft der Ganztagsbetrieb unter veränderten Bedingungen: Die Angebote sind auf mehrere Gebäude im Ort verteilt, wodurch längere Wege und organisatorische Herausforderungen im Alltag entstehen. Die Mensa befindet sich derzeit provisorisch im Bürgersaal der Gemeinde, während Hausaufgaben- und Spielräume im alten Rathaus eingerichtet wurden. Viele Aktivitäten finden sogar auf den Fluren der Schule statt, wo zusätzliche Tische aufgestellt wurden.
„Die Kinder sind erstaunlich unkompliziert“, sagt Bürgermeister Kunz. Lehrkräfte und Betreuungspersonal begleiten die Schülerinnen und Schüler zwischen den verschiedenen Gebäuden. Wenn es mal regnet, stehen die leuchtend grünen Kinderschirme schon bereit. Trotz der improvisierten Situation versuchen alle Beteiligten, eine möglichst angenehme Umgebung zum Lernen, Spielen und Entspannen zu schaffen – etwa durch bunt gestrichene Wände oder der Installation von Schallschutzwänden in den Gebäuden.
Damit die OGTS nach der Sanierung wieder voll funktionsfähig ist, unterstützt LandsAid den Wiederaufbau mit einer umfassenden Ausstattung für alle Räume sowie Materialien für pädagogische, sportliche und kreative Aktivitäten. So können die Kinder wieder optimal lernen, spielen und sich entfalten. Für den Bewegungsraum werden Kletterwand, Boxsack, Turnmatten und weiteres Sportmaterial bereitgestellt. Im Büro der OGTS-Verwaltung entstehen zwei voll ausgestattete Arbeitsplätze für Leitung und stellvertretende Leitung – wir finanzieren hier einen Teil der Möbel.
Der Flur erhält Garderoben und Schulranzenfächer, der Handarbeitsraum kindgerechte Tische, Stühle und Schränke, und die Küche der Mensa wird mit Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Mikrowelle und Kochutensilien für die Koch-AG ausgestattet. Der Spieleraum bekommt rollbare Podeste, der Ruheraum Schallschutzelemente und Matratzen. Töpfer- und Werkraum werden mit Regalen, Lagerkisten, Schränken, Stühlen und Werkzeug eingerichtet.
Zusätzlich werden Treppenhaus, Mehrzweckräume und alle Räume mit Sofalandschaften, Tischen, Stühlen, Aufbewahrungselementen, Bastel- und Spielteppichen, mobiler Musikanlage, Bildschirm sowie Instrumenten und Staffeleien für Musik- und Kunst-AGs ausgestattet.
Das Projekt wird mit Unterstützung durch Aktion Deutschland Hilft und gemeinsam mit dem Schulförderverein Mit-Mach-Insel e.V. umgesetzt, der seit Jahren die Kinder der Grundschule unterstützt.
So können die Räume nach der Sanierung wieder vollständig genutzt werden und bieten ein sicheres, kreatives und abwechslungsreiches Lernumfeld.
Auch knapp zwei Jahre nach der Katastrophe beschäftigt das Thema Hochwasser die Gemeinde weiterhin intensiv. Rund um Nordendorf werden zusätzliche Schutzmaßnahmen umgesetzt – von mobilen Hochwasserschutzsystemen über neue Schutzmauern bis hin zu angepassten Notfallplänen.
Allein für mobile Schutzsysteme hat die Gemeinde bereits rund 300.000 Euro investiert. Gleichzeitig müssen Schäden an Ufern und Infrastruktur behoben werden.
„Seit über zwei Jahren beschäftigen wir uns fast täglich mit Hochwasser-Folgen und Hochwasserschutz“, sagt Kunz.
Trotz aller Herausforderungen hat die Katastrophe auch den Zusammenhalt im Dorf gestärkt. Für Bürgermeister Kunz ist auch die Unterstützung von außen ein wichtiges Signal: „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist.“
Mit der Unterstützung beim Wiederaufbau der OGTS hilft LandsAid dabei, dass die Kinder in Nordendorf bald wieder bessere Räume zum Lernen, Spielen und Zusammenkommen haben – und die Gemeinde ein weiteres Stück Normalität zurückgewinnt.





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Unser Ausgaben und Einnahmen werden regelmäßig vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) überprüft. Es bescheinigt uns seit 2009 regelmäßig eine ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder, weshalb wir zum Tragen des entsprechenden Siegels berechtigt sind.
Damit die Kinder der Grundschule Nordendorf bald wieder sichere und gut ausgestattete Räume zum Lernen, Spielen und Entspannen haben, braucht es weiterhin Unterstützung. LandsAid hilft beim Wiederaufbau und bei der Ausstattung der neuen Räume.
Jede Spende trägt dazu bei, ein Stück Normalität zurückzubringen.
Bitte helfen Sie mit – für die Kinder von Nordendorf.
Fast zwei Jahre ist es jetzt her, als in der kleinen Gemeinde Nordendorf bei Augsburg, versursacht durch nicht enden wollende Starkregenfälle, die Schmutter über die Ufer trat. Das Hochwasser war so massiv, dass der Ort nahezu komplett überschwemmt war und zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner evakuiert werden mussten (siehe unser Artikel vom Juni 2024/Link).
Maßnahmen des Freistaates Bayern
Das Verfahren, einen baulichen Hochwasserschutz zu errichten ist kompliziert. Der Bau eines Hochwasserschutzes entlang der Schmutter liegt in der Zuständigkeit des Freistaates Bayern. Eine der wichtigsten Maßnahmen: der Deichbau und die Deichertüchtigung – das bedeutet, den bestehenden Deich höher zu legen. Zwischen Blankenburg und Nordendorf werden bestehende Deiche zurückgebaut, um das Aufstauen von Wasser in Richtung Süden zu vermeiden und den Durchfluss nach Norden zu ermöglichen. Das Verfahren ist sehr zeitintensiv.
Gemeindliche Maßnahmen
Darüber hinaus werden auch seitens der Gemeinde Nordendorf verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Neben der hochwassersicheren Sanierung des Schulkellers wird unter anderem auch der Zaun, der um den Bauhof herum angelegt ist, durch eine Mauer ersetzt, sodass das Wasser nicht mehr durchkommen kann. An den Bauhof-Türen werden sogenannte Flutschotts errichtet werden. Diese Maßnahmen sind in einem Notfallplan hinterlegt. Wenn alle Vorhaben fertig seien und ineinandergreifen, sind Nordendorf und das benachbarte Blankenburg für eine erneute Katstrophe viel besser gewappnet.
Hohe Kosten für die Gemeinde
Insgesamt fielen für die Gemeinde Nordendorf in der Akutphase der Katastrophe reine Einsatzkosten – Lohnausfall Einsatzkräfte, Verpflegung, Dixi-Toiletten etc. – in Höhe von mehr als 400.000 Euro an. Der Schaden, der an der Schule entstanden ist, beläuft sich auf geschätzt 2,1 Millionen Euro. Der Bauhof erforderte 7-8.000 Euro zur Wiederbelebung. Der mobile Wasserschutz kostet circa eine halbe Million Euro.
Klimawandel als eine Ursache
Der Klimawandel ist eine Ursache dafür, dass Extremwetterereignisse häufiger und heftiger werden. Dazu zählen Hitzewellen, Dürren und eben auch starke Niederschläge.
Auch in anderen Ländern der Erde ereignen sich gerade Hochwasserkatastrophen. Akuter Auslöser sind sintflutartige und lang andauernde Regenfälle. Sie führen zu Überschwemmungen, zerstörten Häusern, Verletzten und Toten. Aktuelle Beispiele sind neben Deutschland Pakistan, Afghanistan, Kenia, Tansania, Brasilien und Indonesien. Gerade angesichts zunehmender Extremwetter-Verhältnisse bekommt die Katastrophenvorsorge einen noch höheren Stellenwert.


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