Venezuela: „Der Boden fühlte sich an wie Wackelpudding“

Die Leiterin unserer Partnerorganisation Ketsy berichtet von den dramatischen Sekunden des Erdbebens in Venezuela

Erinnerungen an die dramatischen Momente

Juli 2026 – Als die Erde zu beben begann, ahnte zunächst niemand, welches Ausmaß die Katastrophe in Venezuela annehmen würde. Die Leiterin unseres lokalen Partners LasComaesAndantes erinnert sich an die dramatischen Momente während des Erdbebens.

„Wir hatten großes Glück, dass wir uns gerade auf einer freien Fläche befanden“, erzählt Ketsy. „Innerhalb weniger Sekunden hat sich der Boden angefühlt „wie Wackelpudding“. Das Wasser eines kleinen Sees bewegte sich, als würde es kochen. In der Ferne schwankten Baukräne bedrohlich hin und her

„Ich konnte sehen, wie sich der Boden bewegte“, erinnert sie sich weiter. Um sie herum schrien Menschen, andere rannten panisch davon, während einige wie erstarrt stehen blieben. Niemand wusste, was gerade geschah oder wie man sich richtig verhalten sollte.

Gemeinsam mit ihrer Begleiterin entschied sie, an Ort und Stelle zu bleiben und abzuwarten, bis die Erschütterungen nachließen. Rückblickend erscheint ihr diese Zeit viel länger, als sie tatsächlich dauerte.

„Manche sprechen von 39 Sekunden. Für mich fühlte es sich wie mehr als eine Minute an. Es war eine einzige, ununterbrochene Erschütterung. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Als das Beben schließlich vorbei war, galt ihr erster Gedanke ihrer kleinen Tochter. Sofort griff sie zum Telefon und rief den Vater des Kindes an.

Die Nachricht, dass ihre Tochter während des Bebens geschlafen hatte und nach einem kurzen Aufwachen wieder eingeschlafen war, gab ihr große Erleichterung.

„Zu wissen, dass sie in Sicherheit war, hat mich unglaublich beruhigt.“

 

Doch für lange Erleichterung blieb keine Zeit. Gemeinsam mit ihrer Freundin und deren Baby machte sie sich auf den Weg nach Hause. Die Straßen waren voller Autos, vielerorts herrschte Chaos.

Als sie schließlich ausstieg und die letzten Meter zu Fuß zurücklegte, bot sich ihr ein Bild der Verwüstung.  „Erst da begann ich zu sehen, was wirklich passiert war.“

 

Im zweiten Teil berichtet Ketsy von den Stunden nach dem Erdbeben, den Schäden an ihrem Zuhause und den Tagen ohne Strom und Wasser. Wenig später beginnt sie, gemeinsam mit LandsAid und weiteren Partnern Hilfe für besonders betroffene Familien zu organisieren. Fortsetzung folgt… 

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Ketsy hat das Erdbeben auf einer freien Fläche überstanden. Erst auf dem Rückweg wurde sichtbar, welche Schäden die Erschütterungen angerichtet hatten.

Viele Familien in Venezuela sind weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Gemeinsam mit unserer lokalen Partnerorganisation verteilen wir dringend benötigte Hilfsgüter und richten die Hilfe am konkreten Bedarf aus.

Bitte unterstützen Sie unsere Nothilfe für die Menschen in Venezuela.

Herzlichen Dank!

Venezuela befindet sich seit Jahren in einer anhaltenden humanitären und sozioökonomischen Krise. Trotz einzelner wirtschaftlicher Stabilisierungstendenzen bleibt die Versorgungslage für große Teile der Bevölkerung angespannt. Nach Einschätzungen internationaler Organisationen ist die Armut weiterhin weit verbreitet, während der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Strom, sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung vielerorts eingeschränkt und ungleich verteilt ist.

Besonders stark betroffen ist das öffentliche Gesundheitssystem. Es steht seit Langem unter erheblichem Druck – unter anderem durch Engpässe bei medizinischem Material, den Abzug von Fachpersonal sowie eine unzureichende Infrastruktur. Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Gütern ist nicht zuverlässig gewährleistet, gleichzeitig stellen hohe Kosten für viele Menschen eine zusätzliche Hürde beim Zugang zu medizinischer Behandlung dar.

In der Praxis führt diese strukturelle Unterversorgung dazu, dass medizinische Leistungen häufig nur eingeschränkt verfügbar sind und Familien in vielen Fällen selbst dafür sorgen müssen, notwendige Medikamente oder Materialien zu beschaffen. Präventive Versorgung und die Behandlung chronischer Erkrankungen sind nur begrenzt möglich.

Die schweren Erdbeben der vergangenen Tage haben diese ohnehin fragile Situation drastisch verschärft. Kliniken sind durch die hohe Zahl an Verletzten zusätzlich überlastet, während gleichzeitig Infrastruktur beschädigt wurde und Versorgungswege eingeschränkt sind. Was zuvor bereits ein strukturelles Problem war, entwickelt sich damit in den betroffenen Regionen zu einer akuten Versorgungskrise.

Wir reagieren darauf mit gezielter Unterstützung für Krankenhäuser, um die medizinische Versorgung der Verletzten kurzfristig zu stabilisieren und die größten Lücken in der Versorgung zu schließen.

LasComaesAndantes

LasComaesAndantes ist ein feministisches Community-Kollektiv aus Caracas, das in benachteiligten Stadtteilen arbeitet. Die Gruppe engagiert sich insbesondere in der sozialen Basisarbeit, in Bildungs- und Präventionsangeboten sowie in der Stärkung lokaler Gemeinschaftsstrukturen. Mit ihrem niedrigschwelligen, stark community-orientierten Ansatz verfügt das Kollektiv über gute Zugänge zu besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen in den betroffenen Vierteln.

Visiones e.V.

Der Münchner Verein Visiones e. V. engagiert sich für soziale Teilhabe, Bildung, Empowerment und interkulturellen Austausch. Die Organisation arbeitet mit einem migrantischen und diversitätsorientierten Ansatz und setzt sich insbesondere für die Stärkung von Menschen mit Migrationserfahrung sowie für gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit ein. Durch ihre langjährigen Verbindungen zur venezolanischen Community verfügt Visiones e. V. über wertvolle lokale Netzwerke und kulturelle Expertise. Im Rahmen der Venezuela-Hilfe unterstützt der Verein LandsAid als wichtige Brücke zwischen Deutschland und Venezuela und trägt dazu bei, Kontakte, Kommunikation und Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort zu stärken.

 

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2026-07-27T10:49:20+00:00
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