Am 6. Februar 2023 richteten im Südosten der Türkei und im Nordwesten Syriens zwei Erdbeben mit einer Stärke von 7,7 bzw. 7,6 verheerende Schäden an. Mehr als 50.000 Menschen starben insgesamt auf türkischer und auf syrischer Seite. Mehr als 8.500 Tote verloren in Nordwestsyrien ihr Leben, fast 12.000 Menschen wurden verletzt.
Mehr als ein Jahr nach dem Erdbeben sind 43.000 Vertriebene noch nicht in ihre Heimat zurückgekehrt. Die meisten von ihnen – über 40.000 Binnenvertriebene – leben in 70 Aufnahmezentren, während mehr als 3.100 Binnenvertriebene in Lagern und informellen Einrichtungen untergebracht sind.
Das Erdbeben in der Türkei und in Syrien hat eine Reihe von psychosozialen Auswirkungen auf Einzelpersonen und Gemeinschaften. Die Überlebenden leiden häufig unter Traumata und psychischen Problemen, einschließlich Symptomen von posttraumatischen Belastungsstörungen wie Angst und Depression. Diese sind auf die plötzliche und gewaltige Natur des Ereignisses zurückzuführen. Der Verlust von Menschenleben, Häusern und Lebensgrundlagen verstärkt die Trauer und das Gefühl des Verlustes – und steigert gleichzeitig das Risiko von Gewalt gegen Frauen.
Wirtschaftlicher Zusammenbruch und fehlende Möglichkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts führen jedoch dazu, dass Frauen und Mädchen in ihrem Bemühen um Zugang zu Nahrungsmitteln und Arbeitsplätzen der Gefahr von sexueller Ausbeutung und Missbrauch sowie anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind.
Die Vertreibung aufgrund von beschädigten Häusern unterbricht die sozialen Netzwerke und lässt die Menschen isoliert zurück. Die Zerstörung wichtiger Dienstleistungen führt zu Unsicherheit und Ungewissheit. Wirtschaftliche Not verschärft die bestehende Armut und Ungleichheit und verursacht Stress und Angst.
Amal Organization
Die Organisation Amal ist im Nordwesten Syriens bekannt. Sie zeichnet sich als eine der führenden Organisationen im Land aus, die kontinuierlich Schutzdienste für gefährdete Bevölkerungsgruppen und Gemeinschaften bereitstellt. Die Schutzzentren von Amal dienen in Notfällen als wichtige Anlaufstellen und bieten sofortige Unterstützung an. Der Bedarf an GBV (gender based violence) Prävention ist nach wie vor extrem hoch, insbesondere nach dem Erdbeben von 2023 – aus mehreren Gründen. Erstens hat das Erdbeben bestehende Schwachstellen und Ungleichheiten verschärft. Frauen und Mädchen sind aufgrund der Zerstörung sicherer Räume und des Zusammenbruchs sozialer Unterstützungsnetze einem erhöhten Risiko von Gewalt gegen Frauen ausgesetzt. Zweitens hat die Katastrophe die ohnehin schon begrenzten Ressourcen und Kapazitäten lokaler und internationaler Organisationen, die im Bereich GBV tätig sind, weiter belastet. Zusätzliche Finanzmittel für die Aufrechterhaltung und Ausweitung dieser lebensrettenden Dienste sind unerlässlich.
Bildquelle: Amal/LandsAid