„Es gibt noch sehr viel zu tun“

Türkei/Syrien: Kurz vor dem Jahrestag der verheerenden Beben besuchte LandsAid-Projektleiterin Caro Gerhardinger die Projektregion – und berichtet

Hilfe von Beginn an

Februar 2024: Seit einem Jahr leben die Menschen in der türkisch-syrischen Grenzregion mit den verhängnisvollen Folgen des Erdbebens vom 6. Februar 2023. Unzählige Menschen haben Unfassbares erlebt und mitgemacht, haben Angehörige und Freunde verloren oder kämpften selbst um ihr Überleben. Die Zerstörung in den betroffenen Gebieten ist immens. Ganze Dörfer und Landstriche sind durch die Katastrophe mitsamt der kompletten Infrastruktur so stark vernichtet oder beschädigt worden, dass ein Wiederaufbau nur erschwert möglich ist – und die Menschen noch jahrelang begleiten wird.

Die Zahlen sprechen für sich: UN-Schätzungen zufolge waren in Syrien 8,8 Millionen Menschen vom Erdbeben betroffen, in der Türkei nach offiziellen Angaben 14 Millionen Menschen in elf Provinzen.3,5 Millionen Menschen hatten die Südosttürkei zunächst verlassen – ein Teil ist inzwischen zurückgekehrt. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde AFAD leben in der Türkei rund 670.000 Menschen in Containern, die meisten davon in der Provinz Hatay, die am stärksten getroffen wurde.

In Hatay leben nach UNHCR-Angaben immer noch circa 1.000 Haushalte, also rund 4.000 Menschen (Januar 2024) in Zelten. Das kann verschiedene Gründe haben: Angst, in ihre Häuser zurückzukehren, die als leicht beschädigt eingestuft wurden, oder auch einfach der Wunsch, in der Nähe des alten Wohnviertels zu bleiben.

Von Beginn an haben wir als humanitäre Hilfsorganisation LandsAid die Betroffenen der verheerenden Katastrophe unterstützt. Bis heute sind wir mit Projekten im Krisengebiet tätig – und planen für die Zukunft weitere Maßnahmen. Unsere Projektleiterin Carola Gerhardinger war kurz vor dem Jahrestag der Katastrophe vor Ort, hat sich ein Bild von der Lage gemacht und einen Überblick über unsere Projekte verschafft. Wir haben mit ihr gesprochen.

Caro, wie sieht die Situation jetzt, nach einem Jahr, aus?

„Während meiner Reise in die schwer von den Erdbeben betroffene türkische Provinz Hatay hat sich mir gezeigt, wie sehr das Erlebte ein Jahr danach das Leben vieler Menschen immer noch dominiert. Zahlreiche Betroffene sind traumatisiert und haben mit schweren Beeinträchtigungen ihrer seelischen Gesundheit zu kämpfen.

Immer noch sieht die ganze Region aus wie ein Katastrophengebiet. Das Erdbeben hatte einfach eine riesige Fläche getroffen – auf der Häuser, Straßenzüge, zum Teil ganze Dörfer zerstört wurden. Überall liegt noch Schotter und Geröll. Zahlreiche Gebäude wurden schon abgetragen, viele stehen aber auch einfach noch zerstört da und müssen erst einmal abgerissen werden, um dann überhaupt mit dem Wiederaufbau beginnen zu können. Dieser geht langsamer voran als erhofft, Familien drängen sich weiterhin in engen Containern. Der Großteil der Menschen lebt immerhin schon in Containern, vereinzelt gibt es aber auch noch Familien, die in Zelten wohnen. Das ist natürlich eine schwierige Situation für die Familien – so etwas wie Privatsphäre gibt es nicht für sie.“

Was ist noch zu tun?

„Es ist natürlich immer noch unheimlich viel zu tun. Weiterhin muss am Wiederaufbau gearbeitet werden. Parallel werden nach wie vor Containerunterkünfte bereitgestellt. 22 Wohncontainer stellen wir im Zuge unserer Maßnahmen für betroffene Familien bereit.

Neben Wohngebäuden wurden auch weite Teile der sozialen Infrastruktur wie Schulen oder Kindergärten zerstört. Für betroffene Kinder und Jugendliche eine prekäre Situation, der mit entsprechenden Hilfs- und Bildungsangeboten begegnet werden muss. Auch in dem Bereich waren und sind wir aktiv – hatten etwa Schulbücher an 500 Achtklässler verteilt, die aufgrund des Erdbebens plötzlich ohne Lernmaterial dastanden. Auch einen maßgeschneiderten „Kindergarten-Container“ hatten wir zur Verfügung gestellt. Viele Kinder spielen, malen, singen und musizieren dort bereits täglich, während ihre Eltern versuchen, wieder ihren Jobs nachzugehen oder als Hilfsarbeiter auf den Feldern arbeiten.

Die Katastrophe hat bleibende Schäden hinterlassen. Das zeigt sich auch an den Folgen für die seelische Gesundheit, die bei vielen Menschen auch jetzt noch massiv beeinträchtig ist. Es gibt wahrscheinlich niemanden, der nicht irgendeinen Angehörigen im Zuge der schweren Erdbeben verloren hatte. Hinzu kommt die Angst vor neuen Beben. Zurück in die Normalität zu finden, wird daher noch sehr lange dauern. Auch im psychologischen Bereich gilt es, Programme und Maßnahmen bereitzustellen. Daher hatten wir einige Container als „Traumatherapiestätte“ umfunktioniert, die von erfahrenen Psychologen der Hatay Psychological Association geführt werden. Sie bieten Therapiestunden für die Betroffenen an.“

Wie ist die Bilanz der Hilfe und wie geht es weiter?

„Wir haben, seitdem die Katastrophe passiert ist, quasi durchgehend Hilfe geleistet – und auch die nächsten Jahre wird das wohl so weitergehen. Allerdings hat sich unser Fokus mittlerweile etwas verlagert. Waren es ganz zu Beginn die akuten Soforthilfemaßnahmen, die durchgeführt wurden – sprich Nahrungsmittelverteilungen und Trinkwasserbereitstellung – geht es jetzt eher um das zur Verfügung stellen von Wohnraum und um Angebote im Bereich der psychosozialen Unterstützung. Wir arbeiten dabei immer im lokalen Kontext, gemeinsam mit türkischen Partnerorganisationen, die natürlich viel näher an den Menschen und deren Kultur dran sind. Wichtig ist es, die Resilienz der Menschen zu stärken, lokale Strukturen wiederaufzubauen und nachhaltige Lebensgrundlagen zu schaffen. Schlussendlich hängt unsere zukünftige Hilfe natürlich auch davon ab, inwieweit wir als Hilfsorganisation Spendengelder zur Verfügung haben und damit agieren können. Die Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender ist nach wie vor unerlässlich, um weiter für die Betroffenen der verhängnisvollen Katastrophe da sein zu können.“

Ihre Spende kommt an

Unser Ausgaben und Einnahmen werden regelmäßig vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) überprüft. Es bescheinigt uns seit 2009 regelmäßig eine ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder, weshalb wir zum Tragen des entsprechenden Siegels berechtigt sind.

Unser Einsatz im Erdbebengebiet wird uns sicherlich noch sehr lange beschäftigen. Unsere aktuellen Projekte werden unterstützt durch Aktion Deutschland Hilft.

Aber auch Ihre Hilfe ist immens wichtig. Unterstützen auch Sie die immer noch unter den Folgen des verheerenden Erdbebens leidenden Menschen.

Am 6. Februar 2023 erschütterten zwei verheerende Erdbeben mit einer Stärke von 7,7 und 7,6 auf der Richterskala die Türkei. Den ersten Beben folgten über Tausende von Nachbeben. Zehntausende Menschen sind gestorben oder wurden schwer verletzt. Das betroffene Gebiet ist riesig. Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Auswirkungen waren in allen zehn Provinzen zu spüren, in denen der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, wobei die Regionen Elazığ, mit Hatay, Kahramanmaras und Gaziantep, am stärksten betroffen waren.

Viele Wohngebäude wurden durch die Erdbebenkatastrophe komplett zerstört oder wurden aufgrund von Sicherheitsbedenken geschlossen wodurch Millionen Menschen ihr Obdach verloren. Akut mangelte es vor allem an Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und provisorischen Unterkünften zum Leben.

Der Wiederaufbau verläuft schleppend und es wird noch lange dauern, bis die Menschen wieder in normale Wohnungen und Häusern ziehen können.

Das Ausmaß und die Folgen der Erdbeben vom Februar 2023 in der Türkei und Syrien stellen eine enorme psychologische Belastung für die Überlebenden der Katastrophe dar. Die plötzlich einsetzenden Erdbeben selbst, die erlittenen Verletzungen, die  Zerstörung von Wohnungen, die Verwüstung ganzer Städte, der Verlust von Freunden und Angehörigen – die psychischen Auswirkungen auf die Bevölkerung sind kaum vorstellbar. Auch in diesem Bereich benötigen die Menschen auch weiterhin dringend Hilfe und Unterstützung.

Für die Durchführung aller Projekte war die großartige Beteiligung unserer Spenderinnen und Spender enorm wichtig, ebenso wie die Unterstützung durch Bündnisse und Stiftungen wie Aktion Deutschland Hilft, Apotheker Helfen e. V. und der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks Sternstunden e. V. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich.

 

Bildquelle: LandsAid

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(Stephanie J., spendete 100€ für Haiti)
„Die Mitarbeiter von LandsAid e.V. konnte ich in Seminare für die Ausbildung für humanitäre Einsatzkräfte erleben und dadurch einen Einblick in die Projektarbeit gewinnen und das Herzblut, in das die Menschen hineinstecken. LandsAid ist eine Organisation, die wirklich lohnenswert ist und jedweder Unterstützung bedarf. Diese Menschen leisten eine großartige und ehrliche Arbeit, die auch sehr gut transparent gemacht wird! Auch in Newsletter werden die Menschenschicksale und die Arbeit des medizinischen Teams auf eine humane und liebevolle Art erzählt.“

(Iris M., spendete 50€ für Haiti)
Bei Seminaren für Einsatzkräfte habe ich Lands Aid als seriöse und vor allem sehr kompetente Organisation kennen gelernt. In Zusammenarbeit mit Apotheker ohne Grenzen, bei der ich Mitglied bin, wurden sehr erfolgreiche Projekte durchgeführt. Da ich Dr. Hettel beruflich kenne, habe ich volles Vertrauen in das Gelingen dieses Projekts. Hier kommt die Spende 1 : 1 an.

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